Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2020 - Luxembourg
 loading...

Prix Laurence 2020

Schumacher Julie - Ich werde niemals schweigen



 

Es sollte ein ganz normaler Schultag werden, ein Tag wie jeder andere, ein Tag der nicht in die Geschichte eingehen wird. Halt ein ganz stinknormaler Schultag, wie ihn jeder Schüler hasst. Doch dieser sollte anders werden. Schon in der ersten Stunde bemerkte ich die Nervosität von unserem Lehrer. Seine Blicke schweiften andauernd zur Uhr und feine Schweißtropfen standen auf seiner kahlen Stirn und tropften von der Nasenspitze auf sein weißes Hemd. Als er schlussendlich sagte wir sollten und hinsetzen und keinen Mucks von uns geben, sprang mir das Herz vor Aufregung fast aus der Brust. Meine Mutter hatte mir schon erzählt, dass einige Schulen von schwarzen, dunklen Gestalten überfallen geworden waren. Diese Gestalten waren böse und hatten kein Herz und keine Seele. Sie wollten uns, den Mädchen aus der Stadt verbieten in dieser Schule zu gehen. Mein Gefühl sagte mir dass sie es geschafft hatten und wir uns ihnen unterwerfen mussten. Mit einem Mal flog die Tür auf. Ich schrie auf. Schwarz gekleidete Männer stürmten in unseren Klassenraum und zerrten alle Mädchen nach draußen. Als Amalia, eine meiner besten Freundinnen versuchte sich gegen sie zu wehren, wurde sie auf der Stelle erschossen. Für einen Moment wurde mir schwarz vor Augen, das Geschrei der anderen Mädchen, Amalias Leiche, die blutverschmiert vor mir lag und die Tatsache dass auch mir jeden Moment eine Kugel durch den Kopf gejagt werden könnte. All diese Tatsachen zerstörten mich momentan innerlich, doch ich musste versuchen einen klaren Kopf zu bewahren, denn wer weiß was die mit mir machen würde, würde ich jetzt zusammenbrechen. Die schwarzen Gestalten forderten uns auf, uns in eine Reihe zu stellen. Dann schrieen sie uns an : „Ihr werdet nie wieder herkommen, Frauen sollten in der Küche stehen und nicht in der Schule. Ab jetzt haben wir hier das Sagen und wer uns nicht gehorcht erleidet das Gleiche Schicksal wie diese Göre da“, sagte einer und zeigte mit einen kalten aber durchdringenden Blick auf Amalias leblosen Körper, worauf jetzt schon einige Mücken herumschwirrten. Mir lief eine Träne über die Wange, sofort spürte ich einen stechenden Schmerz auf meiner Wange, ich spürte mein warmes Blut, was mir über die Wange lief. Die raue Stimme eines Mannes schallte mir ins Ohr.  „ Keine Frau ist es wert dass man um sie weint“, schrie er und packte seine Peitsche gerade weg. Als ich ihm antwortete: „Jeder ist es wert dass man um ihn weint. Jeder hat Gefühle und jeder hat das Recht sie zu zeigen.“,  spürte ich sofort wieder diesen unerträglichen Schmerz. Doch dieses Mal wurden die Schmerzen von einem noch stärkeren Gefühl übertroffen. Hass, reiner Hass durchströmte meine Adern und ich schwor mir für Amalia und alle anderen Gefallenen zu rächen. Uns wurde außerdem verboten ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen. Mit jedem Wort was diese sogenannten „ Rächer“ sagten, wuchs mein Hass auf sie. Jetzt durften wir schon nicht mal mehr alleine aus dem Haus gehen. Die Tatsache eingesperrt zu sein, gefiel mir überhaupt nicht ich war schon immer ein Freigeist, der tat was ihm gerade passte. Also tat ich was getan werden musste, ich wehrte mich gegen die Rächer. Ich veröffentlichte kleine, unauffällige Botschaften über Gleichberechtigung und Freiheit. Irgendwann hatte ich es satt dass meine Nachrichten nichts bewirkten. So trat ich mit anderen Rebellen auf die Straße und schrie: „ Lasst uns frei!“ Sofort kamen einige Rächer und schossen in die Menge. Ein kleines Mädchen stand neben der Leiche ihrer Mutter und rüttelte mit blutverschmierten Händen an dem leblosen Körper ihrer Mutter. Das kleine Mädchen weinte: „ Wach auf Mama, wach bitte auf!“. Weitere Frauen fielen lautlos um. Das einzige Geräusch, das ich in diesem Moment hörte, war mein rasendes Herz. Ohne zu überlegen ging ich immer weiter. Weiter auf diese Monster zu, die ohne Gefühl jeden umbrachten, der sich ihnen in den Weg stellte. Doch wir waren in der Überzahl. Es war egal wieviele Frauen liegen blieben. Wir machten weiter, denn solange wenigstens eine sprach, konnten die andern nicht schweigen.

 




eingesendet am: 18:32 Fri, 13 March 2020 von: Schumacher Julie

Zurück

Teilnahme

Mach jetzt hier mit
beim PRIX LAURENCE 2020


Ende des Wettbewerbs!
 

Meinen Text einsenden

Recherche

Last News

Wie kann ich mitmachen?

 


 

Flyer 2019


Download Flyer 2020

 

LiteraTour 2020

 

Litertour 2020

 

De Liesfestival LiteraTour invitéiert normalerweis am Abrëll all d’Frënn vum Buch op Beetebuerg. Dat ass dëst Joer net méiglech. Dowéinst kënnt de LiteraTour bei Iech heem – am Livestream iwwert de YouTube– a Facebookaccount vun der Gemeng an den Internetsite literatour.lu!


Coronavirus
Das Festival musste abgesagt werden!
Wird, wenn möglich, in den Herbst 2020 verlegt.


8. LiteraTour-Veranstaltung und
6. Ausgabe des Prix Laurence

Lesenswert!
Die Anthologien des Prix Laurence 2015/16, 2017, 2018:
erhältlich im BicherKueb in Bettemburg.
Die Anthologie 2019: ab Juli 2020!
 



www.literatour.lu

*  *  *

Kleine Lektüre-Empfehlungen:


ANNE FRANK

-  Liebe Kitty
Ihr Romanentwurf, Secession, 2019


PRIMO LEVI

-  Ist das ein Mensch?
KZ Bericht, Hanser, 2011


NORA BOSSONG

-  Schutzzone
Roman, Suhrkamp, 2019


DÖRTE HANSEN

-  Altes Land
Roman, Penguin, 2015

-  Mittagsstunde
Roman, Penguin, 2018


PETER HELLER

-  Der Fluss
(The River) Ü.: Matthias Strobel

Roman, Nagel & Kimche, 2019

ANTHOLOGIE

-  Aus Mangel an Beweisen
Deutsche Lyrik 2008 - 2018
Hrsgb.: M. Braun und H. Thill
Wunderhorn, 2018


JEHUDA AMICHAI

-  Gedichte
Königshausen & Neumann, 2018

-  Nicht von jetzt, nicht von hier
Roman, Königshausen & Neumann, 2017


INGEBORG BACHMANN

-  Sämtliche Gedichte
Piper, 2015


WISLAWA SZYMBORSKA

-  Hundert Freuden
Gedichte, Suhrkamp, 1996


ADAM ZAGAJEWSKI

-  Asymmetrie
Gedichte, Hanser, 2017


HARUKI MURAKAMI

-  Von Beruf Schriftsteller
Essays, Dumont, 2016

 


Die Autoren 2020

Archiv

Letzte Texte des Wettbewerbs

Über Suizid spricht man nicht

Eingesendet: 23:21 Tue, 30 June 2020


Du lächelst, wirkst glücklich, sagst, dir geht es

mehr lesen...

Wendys Abenteuer Band 1 Tantenalarm!

Eingesendet: 22:49 Tue, 30 June 2020


"Nein", schrie Wendy und wachte auf...

mehr lesen...

The people that carry hope

Eingesendet: 22:14 Tue, 30 June 2020


The people that carry hope are not...

mehr lesen...