Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2020 - Luxembourg
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Prix Laurence 2020

Maly Roksan - Irgendwie





Wir trafen uns an irgendeinem Tag zum ersten Mal. Ob nun morgens, mittags, abends weiß ich nicht mehr. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, der Himmel strahlte im schönsten Blau. Kurz die Welt war schön und lieblich und voller Möglichkeiten und ganz einfach wunderbar.

An solch einem Tag trafen wir uns das erste Mal, an solch einem Tag trafen wir uns all die anderen Male. Wir trafen uns, unterhielten uns, lachten viel, gefielen einander. An irgendeinem Tag, in irgendeiner Woche, irgendeines Monats, im so und so vielten Jahr.

Wir mochten einander, verbrachten viel Zeit miteinander, passten zusammen und liebten uns, in einem Anflug von Übermut, vielleicht einmal. Es hätte besser nicht sein können.

Wir lebten in unserer Blase, unserer kleinen Welt, lebten im Moment. Flogen auf unserer winzigen Wolke sieben, der Zeit davon, auf das sie uns nie wieder einholen könne.

Ich weiß nicht wie lange wir unseren Traum lebten, ob es nur ein paar Wochen oder doch ein paar Jahre waren. In unserer Blase gab es keine Zeit, nur uns.

Und dann, als ob wir nach einem tiefen Schlaf erwacht würden, platzte unsere Blase. Platzte an irgendeinem Tag, irgendeines Monats, von jenem einen Jahr und war weg. Platzte unter dem Druck der Zeit, die uns schlussendlich eingeholt hatte, uns fest umklammert hielt, uns nicht wieder loslassen würde. Und aus dem wir, wurde wieder ein du und ich und aus einer gemeinsamen Zeit, wurde eine Erinnerung. Und du und ich gingen unserer Wege.

Und du und ich, wir sahen uns nicht mehr. Vielleicht trauerten wir eine Weile, dachten an unsere Blase, sehnten uns nach der Wärme des Traums, aber auch darüber kamen du und ich hinweg. Und schließlich verblassten auch diese Erinnerungen und du und ich lebten weiter und du und ich lachten herzhaft.

Und die Sonne schien und die Vögel zwitscherten und der Himmel strahlte im schönsten Blau. Und die Welt? Die Welt war schön und lieblich und voller Möglichkeiten und einfach wunderbar.

 




ageschéckt den: 18:59 Mon, 9 March 2020 vum: Maly Roksan

Zeréck

Prix Laurence 2020

Maly Roksan - Toller Mensch





Ein toller Mensch, ja das möchte man sein. Ein toller Mensch, ein prächtiger Mensch. Ein Mensch mit Würde und Anstand, Mut und Rückgrat.

Ein guter Mensch geleitet von Güte und Liebe.

Ein großer Mensch mit Ambitionen und Zielen.

Ein kluger Mensch, politisch engagiert, künstlerisch begabt, womöglich einen Doktortitel in der Tasche.

Ein friedlicher Mensch, der Gewalt verabscheut, den Krieg verhindert. Sich jedoch, wenn ihm nichts anderes übrig bleibt, mit nichts als einer Machete bewaffnet in den Kampf stürzt, Freunde, Familie und Vaterland beschützt.

Ein treuer Mensch, den Partner liebend, dem Freund helfend.

Ein reicher Mensch, ein erfolgreicher Geschäftsmann, die helfende Hand ausgestreckt nach all jenen Armen und Leidenden, den Kapitalismus verabscheuend.

Ein gefügiger Mensch, dem Befehl gehorchend, den Vorgesetzten respektierend, der jedoch, wenn es denn sein muss, eine Revolution anführt.

Jawohl das ist er, ein toller Mensch, ein prächtiger Mensch. Wahrhaftig, edel, einzigartig. So stellt man ihn sich vor, den tollen Menschen.

Wie sieht er aus der tolle Mensch?

Ein toller Mensch hat Haare auf dem Kopf, manchmal ganz viele, manchmal gar keine, manchmal blonde, manchmal braune, manchmal lange, manchmal kurze, manchmal glatte, manchmal lockige.

Ein toller Mensch hat Ohren, große und kleine, weitabstehende und enganliegende, spitze und runde und hören kann er auch mit ihnen, gut und schlecht und alles und nichts.

Ein toller Mensch hat zwei Augen. Augen hat er braune, grüne, blaue, graue, dunkle, helle, tiefgründige und nichtssagende. Sehen können sie auch, manchmal eher schlecht als recht, dann braucht er eine Brille, der tolle Mensch. Manchmal sieht er gestochen scharf, sieht weiter als jeder andere, weit über den Horizont hinaus und um die Ecke. Manchmal sieht er nichts, sieht die Welt zu Füßen nicht, ist blind, sieht keine Farbe, keine Freude, keine Liebe. Sieht nicht weiter als über den eigenen Tellerrand hinaus, sieht den Horizont nicht, sieht den Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht. Die Augen eines tollen Menschen stehen weit auseinander oder auch nicht und sind je nach Laune tränennass oder strahlend hell.

Ein toller Mensch hat eine Nase. Die Nase ist sein Riechorgan. Ein toller Mensch riecht die Blumen und die Bäume und die Wiese und das Feuer und den Regen und den Abwind seines Sitznachbarn. Er riecht mit einer geraden Nase und einer Hakennase und einer Stupsnase und mit einer dicken Nase und mit einer schmalen Nase.

Ein toller Mensch hat einen Mund, groß, klein, mit dicken und schmalen Lippen. Ein Mund zum Sprechen, zum Reden halten, zum Inspirieren, zum Verbessern, zum Verändern. Ein Mund zum Herumblödeln, zum Kichern, zum laut Lachen , zum Weinen. Ein Mund zum Verletzen, zum Wiedergut machen. Ein Mund zum Essen und zum Schmecken.

Ein toller Mensch hat Arme und Hände und Finger, mit denen er umarmen und wegstoßen kann. Anfassen, festhalten, gestikulieren, zeigen, schlagen, töten. Ein toller Mensch hat ganz lange Arme und ganz kurze Arme, starke und schwache Arme. Mit Händen so groß, dass sie eine Ball mit nur einer Hand aufheben können und mit Fingern so dick, dass sie einer Wurst ähneln. Mit Händen so klein und zart, dass man Angst hat sie zu berühren, mit schmalen Fingern.

Ein toller Mensch hat einen Bauch, dünn und dick und muskulös und labbrig. Trägt an manchen Tagen die Wampe stolz vor sich her, an anderen sieht man ihn kaum. Einen Bauch zum Essen und zum Fühlen, dem schlecht wird, wenn ihm etwas auf den Magen schlägt und weh tut, wenn er zu viel gelacht hat.

Ein toller Mensch hat Beine, manchmal eins, manchmal zwei, manchmal gar keine. Lang sind sie und kurz, dicklich und muskulös und spindeldürr. Gehen kann er mit seinen Beinen, läuft seinen Träumen entgegen oder vor ihnen weg. Hüpfen, tanzen, springen, sprinten. Ein toller Mensch hat Beine, die tragen einen überall hin, gen Norden, Osten, Süden, Westen, nach oben, unten, links und rechts.

Ein toller Mensch hat Haut, faltige Haut, glatte Haut, runzlige und alte und weiche und junge Haut, fettige und trockene und pricklige und reine Haut. Hellhäutig ist ein toller Mensch und dunkelhäutig. Aus Europa ist er und Asien und Afrika und Nord- und Südamerika und Arktis und Antarktis.

Ein toller Mensch, ein prächtiger Mensch.

Man hält inne, schaut an sich herab, sieht zwei Beine, solche die schon beschrieben wurden und man sieht einen Bauch. Einen Bauch, wie ihn nur ein toller Mensch hat. Man streckt die Arme aus, Arme wie die eines tollen Menschen. Man tastet das Gesicht ab, den Mund und die Nase und die zwei Augen und die zwei Ohren. So wie auch ein toller Mensch sie hat.

Ein toller Mensch, ein prächtiger Mensch.   

 




ageschéckt den: 17:58 Wed, 27 May 2020 vum: Maly Roksan

Zeréck

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Lyrik, éditions guy binsfeld, 2019


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Eine politische Biografie (1912 - 1919)
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Anthologie, Voland & Quist, 2018

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Englisch - Deutsch, mit den Gedichten
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Gedichte. Fanbook. Hall of Fame.
edition suhrkamp, 2018

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