Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2020 - Luxembourg
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Prix Laurence 2020

Kremer Robert - Lebenszeit





Der Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus. Der Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf. Rasch mache ich mich fertig. Ich steige in den Bus. Dieser ist überfüllt mit Menschen. In der Schule reden die Professoren auf einen ein. 16 Uhr. Endlich. 17 Uhr. Dunkel. Eine Menge an Aufgaben warten noch auf mich, doch eigentlich möchte ich nur noch schlafen. 22 Uhr. Ich geh zu Bett. Immer.

Bei einem Besuch im Altersheim bei meiner Großtante merke ich, dass älter werden nicht unbedingt etwas Schönes ist. Sie sitzt im Rollstuhl, hört kaum noch und ist fast erblindet. Jedoch erhält sie tagtäglichen Besuch und durch Konversationen, Klatsch und Tratsch hält sie sich auf dem Laufenden. Außerdem versucht sie sich mit Malerei, Keramik, Musik und anderen Aktivitäten zu beschäftigen. Andere haben da weniger Glück. Niemand schaut nach ihnen, außer die Pflegekräfte, und eigentlich warten sie nur noch darauf, dass der Tod sie abholen kommt. Dies kann manchmal bis zu zwanzig Jahre dauern. In dieser ganzen Zeit befinden sie sich in ein und demselben Gebäude. Ihr Körper erlaubt es ihnen nicht mehr etwas zu erleben. Blind gestaltet sich der Alltag schwierig. Letztens beobachtete ich einen Mann, der eine Minute lang versuchte mit dem Teelöffel den Zucker in seinem Kaffee umzurühren, dabei aber ständig die Tasse verfehlte. Seine Unbeholfenheit tat mir leid. Zudem weiß man nicht mehr wie seine Mitmneschen aussehen und mit bestimmten Aktivitäten wie dem Lesen kann man sich nicht mehr beschäftigen. Die Altersschwerhörigkeit erschwert die Verständigung und man hört auch keine Musik mehr, die wichtiger Bestandteil des Lebens vieler Menschen ist. Wenn das einzige was man noch ausführen kann, essen, trinken und schlafen ist, vergeht die Zeit nur langsam. Man spürt bewusst wie die Zeit vergeht und diese erdrückende Langeweile. Kein Wunder also, dass die Suizidrate bei Personen über siebzig hoch ist.

Senioren reden gerne über ihre Jugendzeit und erinnern sich an die schöne Zeit zurück als sie noch vital und beweglich waren. Ich, im zarten Alter von achtzehn Jahren, kann dies leider schwer nachvollziehen. Natürlich ist es logisch, dass ich vom physikalischen Aspekt her besser bestellt bin. Jedoch ist das Leben nicht unbedingt einfacher vor allem, weil man sich ständig um die Zukunft sorgen muss. In der Schule wird man gelehrt gute Noten zu bekommen, da die einem helfen eine Arbeit zu finden, die einem vielleicht auch noch Spaß macht und bei der man viel verdient. Angenommen man ist kein Genie, muss man für diese Ziel hart arbeiten. Fast jeden Tag lerne ich um hohe Noten zu erzielen. Dabei fällt mir auf, dass mein Alltag sich nicht viel von den Senioren im Altersheim unterscheidet. Ich befinde mich jeden Tag eingesperrt in einem Gebäude und versuche so viel Wissen aufzunehmen wie ich nur kann. Dies zahlt sich selbstverständlich aus; meine Noten sind einwandfrei, doch zu welchem Preis. Die Tage wiederholen sich mit denselben Gewohnheiten und minimalen Veränderungen. Ich arbeite von morgens früh bis abends spät. Ein soziales Leben ist kaum vorhanden. Dieser ständige Druck hohe Leistungen zu bringen führt zu erheblichem Stress. Dieser wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus. Oft fällt mir das Atmen schwer und ich spüre Schmerzen in meiner Brust. Der Magen dreht sich im Kreis und Kopfschmerzen verhindern das klare Denken. Eine schlechte Gesundheit im Gegenzug für hohe Leistung und Geld. Dies klingt nicht richtig für mich. Weniger lernen klingt aber auch falsch. Was ist überhaupt richtig und was falsch? Was möchte ich eigentlich in meinem Leben erreichen? Zahlt sich dieses viele lernen aus oder sollte ich anfangen mehr zu leben? Die Zeit bleibt nicht stehen. Sie ist erbarmungslos. Es ist wie eine Sanduhr, die einmal umgedreht wurde und die pausenlos läuft bis die Zeit abgelaufen und es zu spät ist. Das Leben wartet nicht auf dich, sondern eher du auf das Leben, das vielleicht nie kommt, wen du dich nicht auf die Suche begibst. Jahre vergehen teilweise wie Sekunden und ehe du dich versiehst bist du alt und grau geworden und wartest auf den Tod. Möchte ich im altersschwachen Alter wirklich zurückblicken und mir vorwerfen, dass ich mit achtzehn Jahren nichts anderes getan habe als zu lernen für eine unbestimmte Zukunft? Ich sollte rausgehen und die Welt entdecken, mit anderen feiern und nicht absagen um stattdessen zu lernen. Ich sollte das Leben in vollen Zügen genießen. Andererseits, wie soll ich in Zukunft ein Haus kaufen ohne genügend Geld durch einen gut bezahlten Beruf? Denke ich vielleicht auch einfach zu viel nach und mache mir zu viele Sorgen um nichts? Sind unsere Aktionen nicht ohnehin wertlos? Ist das einzige was beständig ist nicht die Vergänglichkeit? Ich spüre wieder dieses Gefühl von Unbehagen in mir aufkommen, das mich innerlich zerreißt. Die Frage des Sinns stellt sich wieder. Allein hat man viel Zeit zum Nachdenken. Vielleicht zu viel? Sollte ich nicht einfach anfangen zu leben? Allerdings erfordert dies auch viel Mut. Weiß ich noch was leben bedeutet? Sollte ich nicht einfach weiter machen wie vorher? Tick tack. Was ist meine Bestimmung? Ich glaube ich weiß was ich tun soll. Ich glaube ich sollte... Der Wecker klingelt.

 




ageschéckt den: 20:09 Tue, 3 March 2020 vum: Kremer Robert

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