Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2020 - Luxembourg
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Prix Laurence 2020

Gira Tina - Wenn sie wüssten





Alle sagen, sie wollen sein wie ich. Sagen, sie wollen bewundert werden, wollen berühmt werden. Aber sie wissen nicht, welchen Preis man dafür zahlen muss.

Alle sagen, sie bewundern mich dafür, dass ich so bin, wie ich bin. Sagen, sie bewundern mich dafür, dass ich ehrlich bin, bewundern mich dafür, dass ich sage, was ich denke. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich bin.

Alle sagen, sie wollen so sein wie ich. Sagen, sie wollen so selbstbewusst sein wie ich, wollen so ausgeglichen sein wie ich. Aber sie wissen doch nicht einmal, wie ich privat bin.

Alle sagen, sie wollen so viel erreichen wie ich. Sagen, sie wollen auch einmal an Platz eins der Charts stehen, wollen auch einmal in den besten Filmen mitspielen. Aber sie wissen nicht, was ich dafür aufgeben musste.

Alle sagen, ich sei ihr Idol. Sagen, sie würden mich für ein gutes Vorbild halten, sagen, sie würden wollen, dass alle Stars so sind wie ich. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich ticke.

Alle sagen, sie wollen so präsent sein wie ich. Sagen, sie wollen auch Millionen Instagram-Follower haben, sagen, sie wollen, dass auch über sie berichtet wird. Aber sie wissen nicht, welche Folgen so ein Leben hat.

 

Sie haben keine Ahnung davon, wie ist es, unter so einem Erfolgsdruck zu leiden wie ich.

Sie haben keine Ahnung davon, wie es ist, die ganze Zeit über die Maske aufrechtzuerhalten, die man sich vor fünf Jahren aufgesetzt hat.

Sie haben keine Ahnung davon, wie es ist, sich als absolut selbstbewusst zu verkaufen, obwohl man doch eigentlich schüchtern ist.

Sie haben keine Ahnung davon, wie es ist, sich von seinem Partner zu trennen, um mehr Zeit zu haben, an seiner Karriere zu arbeiten.

Sie haben keine Ahnung davon, wie es ist, sein ganzes Leben lang seine Fehler vor der Weltöffentlichkeit verbergen zu müssen.

Sie haben keine Ahnung davon, wie es ist, nicht in Ruhe einkaufen zu können, sondern immer nur von Fans und Paparazzi verfolgt zu werden.

Sie haben keine Ahnung davon, dass mein Leben so viele Schattenseiten hat.

 

Wenn sie das wüssten, würden sie dann immer noch so sein wollen wie ich?

 




ageschéckt den: 18:26 Thu, 30 January 2020 vum: Gira Tina

Zeréck

Prix Laurence 2020

Gira Tina - Intelligent





Laut Definition des Dudens ist Intelligenz „die Fähigkeit des Menschen, abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten“. Das klingt ja eigentlich gar nicht so besonders, wie es von jedem dargestellt wird. Aber anscheinend ist es doch etwas Außergewöhnliches.

Laut Definition ihrer Eltern ist es „etwas, auf das du sehr stolz sein kannst und das unbedingt gefördert werden muss“. So oft, wie sie diese Worte in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren gehört hatte, hätte sie fast schon automatisch diese Einstellung übernommen. Fast wäre sie überheblich gegenüber anderen geworden, die sie als dümmer als sich selbst ansieht. Fast. Denn glücklicherweise gab es jemanden, der sie auf dem Boden bleiben ließ.

Laut Definition ihres Bruders ist Intelligenz „etwas, das du halt hast und ich und die meisten anderen nicht. Aber bilde dir bloß nichts darauf ein!“ Das tut sie auch nicht. Auch wenn sie schon sehr gut weiß, dass sie anders als fast alle Gleichaltrigen ist.

Ab einem IQ von 130 gilt man als überdurchschnittlich intelligent, als hochbegabt. Ab einem IQ von 145 als höchstbegabt. Bei ihrem IQ-Test hatte sich herausgestellt, dass sie einen IQ von 143 hat. Seitdem hat sich alles verändert. Für ihre Eltern war das „die Chance“. Sofort nahmen sie sie von der Schule, meldeten sie in einer speziellen Hochbegabtenschule an. „Es ist nur zu deinem Besten. Du hast dich doch vorher immer gelangweilt!“, beteuerten sie.

Ja, sie wusste, dass es nur zu ihrem Besten war. Ja, sie hatte sich gelangweilt. Aber dennoch. Für sie war es das Schlimmste gewesen, das je hatte passieren können. Seit diesem Tag war sie von all ihren Freunden getrennt, saß in einer neuen Klasse. Für sie, die komplett schüchtern war, der absolute Albtraum. Dazu kam noch, dass sie vergleichsweise spät zur Klassengemeinschaft hinzugestoßen und dadurch per se schon eine Außenseiterin war. Aus den paar Mal, bei denen sie sich traute, jemanden anzusprechen, wurden keine Freundschaften. Fast augenblicklich wurden die Angesprochen wieder von ihren Freunden abgelenkt. Irgendwann gab sie es auf.

Zu allem Überfluss fingen ihre Eltern dann auch noch an, sie von ihren Freundinnen zu isolieren. „Die lenken dich bloß ab“, sagten sie. „Du musst dich auf die Schule konzentrieren“, sagten sie. Und das tat sie ja auch! Sie lernte bis spät in die Nacht hinein, brachte immer gute Noten mit nach Hause. Doch all das nützte nichts. Ihre Freunde konnte sie nur heimlich treffen. Natürlich hatte sie mehrmals protestiert, sich gewehrt. Doch schlussendlich hatte es dann doch nichts genutzt. Und so lebten sie und ihre Freunde sich langsam auseinander.

Erst als sie älter wurde, wurde ihr bewusst, wie sehr die Hochbegabung ihr Leben zerstört hatte. Wie sehr sie darunter gelitten hatte, dass ihre Eltern immer über ihr Leben bestimmt hatten, ohne auch nur einmal zu fragen, ob sie das denn auch wirklich wollte. Und ihr wurde klar, dass sie sich wehren musste.

Sie zog aus. Trotz den Protesten ihrer Eltern zog sie aus, versuchte, ihr eigenes Leben zu leben. Natürlich war es anfangs schwer, so wie es immer anfangs schwer ist. Doch sie schaffte es, baute sich ihre eigene Existenz auf. Tat das Schlimmste, was sie in den Augen ihrer Eltern wohl hatte tun können, heiratete einen Mann, der einen weitaus geringeren IQ als sie hatte. Doch das war ihr nicht wichtig. In ihren Augen war er perfekt und sie liebte ihn. Das war alles was zählte.

Obwohl ihre eigentliche Begabung sich für sie in einen Albtraum verwandelt hatte, wurde sie wieder glücklich. Und sie schwor sich eins: Wenn ihre Kinder ihre Hochbegabung erben sollten, würde sie alles anders machen als ihre Eltern. Sie sollten selbst entscheiden, wie sie glücklich werden wollten. Denn das war alles, was zählte. Dass man glücklich war, egal wie besonders oder normal man war. Das war das, was wichtig war.

 




ageschéckt den: 17:23 Sun, 28 June 2020 vum: Gira Tina

Zeréck

Prix Laurence 2020

Gira Tina - Denk zweimal





Es war einmal - Das klingt wie der Beginn eines Märchens. Doch das hier ist kein Märchen. Es ist kein Märchen: Dafür wäre der Charakter der Protagonisten nicht rein genug. Sie könnten nicht wie im Märchen durch ihre reine Unschuld das Mitleid der Leser erregen, wenn ihnen etwas zustieße. Nein, das hier ist kein Märchen. Aber wie auch immer…

Es war einmal ein junger Mann, der in seinem Leben schon so ziemlich alles gemacht hatte, was man nicht tun sollte. Der bei manchen Dingen Glück gehabt hatte, dabei mit dem Leben davon gekommen zu sein. Der gemeinsam mit seinen „Freunden“ auch schon einmal geklaut hatte. Der nie eine Frau ein zweites Mal besuchte. Der Typ Mensch, dem so gut wie niemand von vollem Herzen ein Happy End wünscht. Die komplette Fehlbesetzung für einen Märchenprotagonisten, müsste man ihn doch eigentlich als Bösewicht einordnen.

Doch er bereute es. Er bereute alles, was er gedacht, gesagt und getan hatte. Wenn er noch einmal die Wahl hätte, würde er es nie wieder tun. Aber er schaffte es nicht, damit aufzuhören. Vor fünf Jahren war er an die falschen Menschen geraten, hatte ihnen Sachen verraten, die er normalerweise nie jemandem erzählt hätte. Doch er hatte es getan und nun hatten sie ihn in der Hand. Und nun kam er nicht mehr von ihnen weg, spielte weiter eine Rolle, die er hasste. Und er wusste nicht, ob und wann er je wieder damit aufhören konnte.

Und es war einmal eine ebenso junge Frau, die im Grunde nicht in ein Märchen passte. Für die Rolle der bösen alten Hexe war sie nicht hässlich genug und für die Rolle der Protagonistin… Nun ja… Perfekt geeignet wäre sie als Anführerin der Schulclique in einem typischen High-School-Film. Etwas arrogant, überheblich… Eben der Typ Frau, bei dem man sich freut, wenn sie am Ende des Films den Freund ausgespannt bekommt.

Doch auch sie hatte ihre Geschichte, konnte erzählen, warum sie so geworden war, wie sie heute war. An ihrer alten Schule war sie gemobbt worden, eben weil sie zurückhaltend war und nicht sofort auf jedem herumhackte. Als sie schließlich die Schule wechselte, schwor sie sich, dass das nie wieder passieren durfte. Lieber wollte sie diejenige sein, die mobbte. Und auch wenn ihr jeder leidtat, den sie in ihrer Arroganz beleidigte, nahm sie lieber dieses schlechte Gewissen in Kauf, als noch einmal so etwas durchmachen zu müssen.

Wenn ich jetzt erzählen würde, dass diese beiden Menschen sich fanden, obwohl sie sich nicht gesucht hatten und etwas schafften, was nicht jedem gelang, bis ans Ende ihrer Leben gemeinsam glücklich waren: Was würdet ihr denken? Nun, wo ihr ihre Hintergrundgeschichte kennt, würdet ihr euch für sie freuen. Sie haben es ja schließlich verdient, glücklich zu werden, nach allem, was sie durchgemacht haben.

Aber was würdet ihr denken, wenn ihr ihre Vergangenheit nicht kennen würdet? Würdet ihr darüber nachdenken, dass auch die vermeintlichen Bösewichte ein Recht darauf haben könnten, glücklich zu werden? Oder würdet ihr verärgert die Augen zusammenkneifen und euch fragen, warum den Idioten denn bitte etwas passieren soll, das anderen nicht vergönnt ist?

Doch jeder Mensch hat das Recht auf ein Happy End in seinem Leben. Jeder einzelne Mensch, egal was er vielleicht getan oder nicht getan hat. Wir kennen nicht die Geschichte eines jeden Menschen, wissen nicht, was er vielleicht durchmachen musste, um dahin zu gelangen, wo er heute steht. Wir wissen nicht, ob jemand etwas bereut, jedoch nur nicht genug Mut hat, einzugestehen, dass er einen Fehler gemacht hat. Jeder hat seine Geschichte. Und es lohnt sich, zweimal nachzudenken, ob man jemanden wirklich im Voraus ohne irgendwelche Hintergrundinformationen verurteilen will oder sich doch lieber erst seine Geschichte anhört.

 




ageschéckt den: 17:25 Sun, 28 June 2020 vum: Gira Tina

Zeréck

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De Liesfestival LiteraTour invitéiert normalerweis am Abrëll all d’Frënn vum Buch op Beetebuerg. Dat ass dëst Joer net méiglech. Dowéinst kënnt de LiteraTour bei Iech heem – am Livestream iwwert de YouTube– a Facebookaccount vun der Gemeng an den Internetsite literatour.lu!


Coronavirus
Dee ganze Festival ass ofgesot!
Gëtt, wa méiglech, an den Hierscht 2020 verluecht.


De Lies-Festival fir Iech all!
BeeteBuerg - BicherBuerg.


8. Editioun vum LiteraTour a
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Liesenswäert!
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Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


SALLY ROONEY

-  Gespräche mit Freunden
Roman, Luchterhand, 2019


LEIF RANDT

-  Allegro Pastell
Roman, KiWi, 2020


OCEAN VUONG

-  Auf Erden sind wir kurz grandios
Roman, Hanser, 2019

-  Nachthimmel mit Austrittswunden
Gedichte, engl./dtsch., Hanser, 2020


ERNESTO CARDENAL (1925 - 2020)

-  Transitreisender
Gedichte, Peter Hammer Verlag, 2008


TOMAS ESPEDAL

-  Bergeners
Matthes & Seitz Berlin, 2018


ANOUK MAHR
mat 15 Joer
3. Präis beim Prix Laurence 2016


-  Lautlos
Roman, éditions guy binsfeld, 2019


POL SCHMOETTEN

-  Holland träumen
Lyrik, éditions guy binsfeld, 2019


JOSIANE WEBER

-  Marie Adelheid
Eine politische Biografie (1912 - 1919)
éditions guy binsfeld, 2019


GRAND TOUR
Reisen durch die junge Lyrik Europas

-  Hrsgb. F. Italiano, J. Wagner
Anthologie, Hanser, 2019


POESIE

-  Hrsgb. N. Gomringer, M. Beyer
Anthologie, Voland & Quist, 2018

GRACE PALEY

-  A Grace Paley Reader
Stories, essays, poetry

Farrar, Straus and Giroux, 2017

-  Manchmal kommen ...
Gedichte, Schöffling & Co, 2018

RON PADGETT

-  Die schönsten Streichhölzer der Welt
Englisch - Deutsch, mit den Gedichten
aus Jim Jarmuschs Film Paterson
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, 2017

STEFFEN POPP (Hrsgb.)

-  Spitzen
Gedichte. Fanbook. Hall of Fame.
edition suhrkamp, 2018

SARAH KIRSCH

-  Sämtliche Gedichte
DVA, 2013

-  Gesammelte Prosa
DVA, 2006

-  Sarah Kirsch u. Christa Wolf
Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt
Der Briefwechsel, Suhrkamp, 2019

GUNTRAM VESPER

-  Tieflandsbucht
Die Gedichte, Schöffling, 2018

ANTHOLOGIE BEAT ATTITUDE

-  Femmes poètes de la Beat Generation
éditions Bruno Doucey, 2018

TAHA MUHAMMAD ALI

-  An den Ufern der Dunkelheit
Gedichte aus Palästina
Fischer Taschenbuch, 2013


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Das Buch der klassischen Haiku
Hrsgb. Jan Ulenbrook
Reclam, 2018

 


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