Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2019 - Luxembourg
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Prix Laurence 2019

Feltes Michèle - Der eisige Schlüssel



 

Verängstigt und in Schweiß gebadet wachte ich wieder einmal mitten in der Nacht auf. Mein Albtraum war grausam gewesen, so grausam, dass er mich selbst, wenn ich ihn schon zigtausendmal immer wieder aufs Neue träumte, immer wieder in Angst und Schrecken versetzte und mir das erneute Einschlafen unmöglich machte. Immer wieder flackerte das Krankenhauszimmer vor meinen Augen auf und das anfangs monotone Piepen der Geräte verwandelte sich in ein anhaltendes, schrilles Gellen. Ich beschloss einen Gang bis zum Badezimmer zu wagen und tastete mit meiner zittrigen Hand nach dem Lichtschalter, woraufhin sich die Finsternis in meinem Zimmer auflöste. Offenbar glaubte ich, dass sich hinter meiner Jugendzimmertür das erwartete, das ich von klein auf kannte, jedoch würde ich eines Besseren belehrt werden. So schritt ich weiterhin tapsig auf die Tür zu, öffnete sie und stolperte in eine ganz andere Welt.

Eisige Kälte empfing mich auf der anderen Seite der Tür, sodass sich meine Lungen nach einigen Sekunden so anfühlten, als wären sie mit winzigen Stecknadeln gefüllt. Ich vernahm ein leises Knirschen, als ich mich traute einige Zentimeter auf dem mit Raureif überzogenen Boden vorzurücken. Anstatt von Stalagmiten war das unterirdische Gewölbe mit unzähligen, kegelförmigen Kristallen ausgeschmückt, von denen sich das prachtvollste Exemplar ungefähr drei Meter von mir weg befand. Die Anziehungskraft dieses Kristalls zog mich dermaßen in ihren Bann, dass ich wie hypnotisiert auf ihn zuschritt. Alle meine Sinne waren nach ihm ausgerichtet und die Außenwelt m mich herum verschwamm immer mehr und sogar die pure Kälte die von allem in dieser Höhle ausging rückte immer mehr in den Hintergrund, ich hatte nur noch Augen für diesen mysteriösen Edelstein, der durchsichtig war und doch in allen Farben schillerte. Machtlos mich dagegen zu wehren streckte ich meine inzwischen bläulich angelaufene Hand aus um dieses Wunderwerk endlich zu berühren. Ein stechender Schmerz durchzückte meinen Körper und ließ meine vor Kälte starren Glieder zusammenzucken. Regungslos sah ich zu, wie ein Tropfen meines eigenen Blutes aus der tiefen Wunde meines Fingers sickerte und überdems er zu Boden fiel einfror. Der Tropfen zersprang am Boden und hinterließ mehrere mikroskopisch kleine Fragmente auf dem knochenhart gefrorenen Steinuntergrund. Es erschreckte mich, dass dies die einzige warme Farbe in meiner Umgebung war, jedoch gab es mir auch etwas Sicherheit und erinnerte mich daran, was ich eigentlich war. Ein qualvolles Schluchzen rief mich zurück in die Realität. Ich fragte mich im Nachhinein, ob ich blind oder taub gewesen bin. Hinter dem Kristall, der meine Aufmerksamkeit erregt hatte, kniete eine Gestalt, die mit ihren feingliedrigen Händen ihr zartes Gesicht verdeckte. Es war eindeutig, dass sie bittere Tränen weinte. Sie tat mir unglaublich leid, und da war es wieder, das Gefühl, das mich schon so lange belastete, der Grund weshalb ich jeden Tag mit demselben Albtraum kämpfen muss, das Gefühl versagt zu haben. Das Geschöpf wendete mir sein blasses Gesicht zu und durchbohrte mich mit seinem Blick. Ich werde diesen Blick mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen können, diese Augen die so unbeschreiblich schön waren. Sie waren blassblau und beinhalteten goldene Sprenkel, von denen jeder ihre Trauer unterstrich. Umrundet von perfekten Wimpernfächern boten sie mir einen Anblick unter dem ich zerbrach und wieder an sie erinnert wurde. In meinem Kopf brach ein Damm hinter dem die Erinnerungen und Gefühle zum Vorschein traten, die ich versucht hatte monatelang zu verbannen. So sah ich sie wieder vor meinem inneren Auge, die Person für die ich ohne zu zögern mein eigenes Leben gegeben hätte. Meine Schwester, meine über alles geliebte Zwillingsschwester. «Geh!», schallte die Stimme des Mädchens, die so zart wie eine Schneeflocke und gleichzeitig so scharf wie die Spitze des Kristalls war.  Augenblicklich wurde die Aura um sie herum noch frostiger und eine leichte Druckwelle aus gebündeltem Wind zwang mich einige Schritte zurück zu weichen. Nein! Ich würde nicht zurückweichen, nicht noch einmal würde ich ein Lebewesen zurücklassen, nicht noch einmal würde ich mich zurückdrängen lassen! Entschlossen machte ich einen Schritt auf das Geschöpf zu. «Geh nun, du kannst nichts mehr tun, mein Leben ich verwirkt», sie wand mir ihr Gesicht zu und strich ihre tiefblaue Haarpracht zurück, die der perfekte Ausgleich zu ihrem schlanken, jedoch bestens proportionierten Körper war. Ich konnte nicht einmal daran denken nachzugeben, nicht noch einmal, nicht wie im Krankenhaus, indem ich vor der Realität geflüchtet war und es bitter bereute. «Dies soll deine letzte Warnung sein, bevor du den Frost spüren wirst», wies die zarte Stimme in der ein schwerer Unterton der Verzweiflung lag, mich zurecht. Mein Körper fing an zitternd zu protestieren, was der niedrigen Temperatur zu verdanken war. Ich ignorierte alle ihre Warnungen, denn das einzige was ich noch wollte, war diesem, in einem Käfig von Trauer gefangenem Geschöpf, das sich selbst aufgegeben hatte zu helfen.  Komme was wolle. Schlagartig wurde die Aura um mein Ziel herum noch kalter und um meine Füße herum bildeten sich wie auf Kommando riesige Eiskrusten, die mir das Laufen zusätzlich erschwerten. Der verhasste Raureif schien einen eigenen Willen entwickelt zu haben und begann über die Eiskrusten zu kriechen, über meine nackten Beine hinweg bis zu meinen Pyjamashorts. Dies war keine normale Kälte, nein dieser Frost fühlte sich um ein Vielfaches eisiger an und griff mich bewusst aggressiv an. Das Atmen war nur noch die reinste Qual, woraufhin meine Lungen nur noch das Signal zur Kapitulation gaben. Um uns herum wirbelte ein mächtiger Schneesturm, der mir die Sicht auf das Fabelwesen nahm mit Mühe konnte ich noch ihre Aura und vor allem, ihre gespenstisch schimmernden Augen erkennen. Eiskristalle prasselten gnadenlos auf mich herab und schnitten in meine Haut ein. Ich weiß nicht was mich zu diesem Zeitpunkt noch angetrieben hat, ob es wohl mein unbrechbarer Wille war, meine Vergangenheit oder einfach nur das Adrenalin war? Hätte ich diesem Wesen auch geholfen, wenn es mich nicht an meine Schwester erinnert hätte? Ich spürte, wie sich ein prickelndes Brennen in meinem Brustkorb erhob und von Sekunde zu Sekunde stärker wurde. Es war keine unangenehme Wärme, oder eine solche, bei der man sich verbrennt, sondern eine unbekannte, übernatürliche Wärme. Mit jedem Herzschlag wurde sie stärker, mit jeder Verzweiflungsträne, die über meine Wangen lief, breitete sie sich weiter in meinem Körper aus. Sie war es, die mich weiter antrieb und den Frost aus meinen Gliedern vertrieb. Der Raureif verdampfte mit einem Mal und die Eiskristalle trauten sich nicht mehr in meine Nähe. Meine feurige Aura war genau so stark wie die arktische Kälte die das Eismädchen umgab, mein Geist war klarer denn je, es war kein Vergleich zum Zustand, indem ich mich befand als ich die Höhle knapp betreten hatte. Meine Gedanken waren im perfekten Einklang mit meinen Instinkten und ich nahm alles feinfühlig war, analysierte jede Luftströmung und jede Bewegung genau. Die Vitalität durchfloss meinen Körper und ich schöpfte neue Energie. Nun konnte ich wieder einen Fuß vor den anderen setzen und meine Willenskraft erneut auf mein Ziel lenken. Mittlerweile war die Eismagierin damit beschäftigt einen Schutzwall aus riesigen Eiszapfen, die aus dem Erdboden heraustraten, herauf zu beschwören. Wieso machte sie sich solch eine Mühe, um meine Hilfe abzuweisen, wieso nur?  War dies hier eine Prüfung? Auf jeden Fall musste es einen sehr argen Hintergrund, da sie sogar meinen Tod in Kauf genommen hätte. Ich würde jedenfalls nicht aufgeben, meine Schwester hätte gewollt, dass ich nicht aufgebe. Dies war meine zweite Chance, die Nacht, in der ich im Krankenhaus nur kurz von der Seite meiner verstorbenen Schwester gewichen bin wieder gut zu machen. Nicht noch einmal würde ich mich von der Situation überwältigen lassen. Ich legte einen Zahn zu, um die Eismauer zu erreichen, bevor die Lücken zwischen dem Eis verschmolzen. Sie war nicht schnell genug mit ihrem Schutzwall gewesen, ich konnte mich noch geschmeidig durch dessen Lücken hindurchzwängen. Der Schrecken über meine Durchhaltevermögen und meine Macht stand dem Mädchen ins Gesicht geschrieben. Ihre anfangs so hypnotisierenden Augen übten nicht mehr denselben Effekt auf mich aus. Während dem Kampf waren sie glasig und glanzlos geworden. Die Magie musste sie außerordentlich viel Kraft gekostet haben. Ich hatte das Gefühl, dass sie nun unter meinem Blick zerbrach und sie begann sich  vor mir zu fürchten. Einige Sekunden später brach der dürre Körper, der vor mir stand zusammen und nahm wieder die Haltung an, in der ich das Lebewesen das erste Mal gesehen hatte: kniend und ihr Gesicht mit den Händen verdeckend. Daraufhin überwältigte mich das Mitleid wieder und ich tat etwas, was ich nur bei wenigen Personen in meinem Leben tat, ich umarmte sie. Ich hatte keine Zweifel, ob es ihr unangenehm wäre, nein ich fand einfach, dass ich das einzig Richtige in diesem Moment tat. Der Frost der sie vorhin begleitet hatte war fast ganz verflogen und sie strahlte nur noch eine angenehme Frische aus. Meine Wärme verflog auch bis ich wieder eine normale Körpertemperatur angenommen hatte. Niemand konnte uns angreifen, oder schaden solange ich dieses einzigartige Geschöpf beschützte.

Am nächsten Morgen, musste ich leider enttäuscht feststellen, dass es sich bei der Begegnung mit dem Eismädchen leider nur um einen Traum gehandelt hatte, wobei ich mir auch nicht all zu sicher bin. Es hatte sich einfach zu real angefühlt. Auf jeden Fall reichten die Folgen dieses Traumes bis in die Gegenwart hinein. Ich hatte nämlich dank dem Eismädchen mit dem Tod meiner Schwester abgeschlossen. Sie war nun nicht mehr, der traurige Unfall, sondern ein von mir geliebter Mensch, an dessen Zeit mit ihm, ich mich gerne erinnerte. Dieser Traum hatte mir klar gemacht, dass ich das Geschehene nicht mehr ändern konnte. Er erinnerte mich daran, dass ich auch noch weiterleben durfte und das Beste aus meinem Leben machen sollte. Meine Schwester hätte nicht gewollt, dass ich mich wegen ihr aufgeben würde. Ich wurde mir Zunehmens klarer darüber, welche Rolle die verschiedenen Elemente in meinem Traum gespielt haben. Die Kälte repräsentierte gewissermaßen den Hass, den ich zu diesem Zeitpunkt auf mich selbst hegte. Die Wärme, die geheimnisvolle Kraft, die meinen Körper wiederbelebte war die Liebe, die in mich zurückgekehrt war. Der Kristall war der Wendepunkt, der mich wieder in die Realität zurückrief. Doch einer Person konnte ich noch keine Rolle zuschieben. Wer war nur das Eismädchen?

 




ageschéckt den: 11:29 Sun, 3 March 2019 vum: Feltes Michèle

Zeréck

Prix Laurence 2019

Feltes Michèle - Wildes Herz, der Technik zum Trotz





Wieso nur? Wieso? Der schlimmst mögliche Ausnahmezustand war eingetreten, da mein Vater beschlossen hatte, einen Wanderausflug an diesem Wochenende zu machen. Anstatt in aller Seelenruhe die neuesten Videospiele herunterzuladen, musste ich mich also hier in der brütenden Nachmittagssonne abmühen, um danach irgend so eine bescheuerte Sehenswürdigkeit anzustarren. Die glühend heiße Sonne brannte gnadenlos auf mich hinab und ließ meinen Handybildschirm ihr grelles Licht reflektieren. Na ja, ich versuchte halt das Beste aus dieser verzweifelten Situation zu machen und benutzte meine kabellosen Kopfhörer um meine etwas veralteten Music Playlists wieder zu geben. Mit einem tiefen Seufzer klebte ich meine Augen wieder an den interessanten Handybildschirm, die Außenwelt verschwamm und ich bekam nichts mehr mit. Mein ganzes Gehirn war auf die zahlreichen Apps konzentriert mit denen ich mich einen Großteil meines Lebens beschäftigte. Sie gaben mir Rückhalt und ich konnte nur noch mit ihnen kommunizieren, denn der Umgang mit realen Menschen war mir in der Zwischenzeit einfach zu umständlich geworden. Ich war dessen einfach nicht mehr fähig. Das einzige, was ich noch von der analogen Welt mitbekam war der Kiesel der unter meinem Markenturnschuhen, der bei jedem anstrengenden Schritt knirschte. Ein fataler Fehler. Das, was um mich herum passierte war einfach nicht mehr da, selbst als ich später in meinen Gedanken herumkramte, tastete ich einfach im Dunkeln. Ich bekam nicht mit wie mein Vater mit meinen Geschwistern eine völlig andere Himmelsrichtung abbogen. Offenbar waren sie damit beschäftigt die Karte intensiv zu studieren, währenddessen sie mich, den eher ruhigen Menschen im Hintergrund vergaßen. Jedenfalls stapfte ich ahnungslos weiter, ohne die geringste Ahnung was mich erwarten würde. Diese verräterische, offenbar harmlose Macht mit der dieses technische Gerät mich blendete war zu stark. Auf einmal prallte mein Fuß gegen ein hartes Objekt, es umfasste ihn komplett mit einem eisernen Griff und jegliche versuche mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen scheiterten elend. Vor lauter Schreck blieb mir mein Herz fast stehen. Meine Arme ruderten ziellos durch die Luft bevor sich tausende Kieselsteinchen in meine Handflächen bohrten, als mein Körper verzweifelt versuchte die Schäden, den ich bei einem direkten Aufprall davontragen würde zu mindern. Hart landete ich auf dem Boden und nach einigen Sekunden verspürte ich erst den brennenden Schmerz, der sich durch meine Glieder fraß. Zögerlich versuchte ich meinen brummenden Kopf vom Boden anzuheben, aber mein Verlangen danach einfach in diesem Laubbett liegen zu bleiben gewann. Das Laub roch etwas modrig, doch seine Beschaffenheit fing mir an zu gefallen. Langsam entfernte ich die Kopfhörer. Meine Handflächen streichelten über die, angenehm von der Sonne aufgeheizte Erde. Erst jetzt bemerkte ich wie taub mich das Trällern der Musik über Jahre hinweg gemacht hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben kam ich in den Genuss, der Natur zuzuhören und das was ich vernahm gab mir das Gefühl, was ein Song mir niemals hätte geben können. Das zarte Rauschen der Baumkronen unterstrich das kraftvolle Zwitschern der Vögel während immer wieder ein geheimnisvolles Rascheln dazwischen funkte. Ich fühlte mich geborgen und richtete mich nach und nach auf. Das federweiche Moos gab langsam unter mir nach als ich mich aufrichtete. Meine, an Bildschirmlicht gewöhnten Augen kamen nicht mehr aus dem Staunen hinaus und ich fragte mich, ob ich träumen würde. Die untergehende Sonne verbreitete ein wunderschönes, orangenes Licht am Horizont. Ich hatte noch nie so einen prachtvollen Farbverlauf in meinem Leben gesehen. Einfach fantastisch. Ich sog die frische Luft gierig ein und genoss dabei den zarten Duft nach Kiefernnadeln und saftigen Gräsern. Wie konnte ich nur tagelang am Stück diese trockene Heizungsluft eingeatmet haben? Ich drehte mich im Kreis und ließ alle Sinneseindrücke auf mich zu kommen. Der Mischwald lebte, ich hatte das Gefühl, dass er sich jeder, von mir ausgehenden Bewegung anpasste. Es war perfekt ausgeglichen, wie bei einem Konzert, bei dem alle Instrumente im perfekten Einklang miteinander waren. Mein Handy glitt bei der Bewegung aus meiner Hand und ich machte keine Anstalten den Prozess irgendwie aufzuhalten. Ich drehte mich so lange energiegeladen um meine eigene Achse bis mir schwindelig wurde. Dieses ganze Ökosystem, diese mächtigen Bäume, die dunkelgrünen Büsche und die vielseitige Tierwelt, alles war so komplex aufgebaut, dass ich mich glücklich schätzte für einen Moment zu ihm zu gehören, mit ihm zu verschmelzen. Elegant ließ ich mich zurück in das federnde Moos fallen. Einige Minuten lang beobachtete ich die im Wind wehenden Blätter der Baumkronen die mich auf eine angenehme Weise hypnotisieren. Ich schloss die Augen, atmete tief durch und ließ meine Gedanken zur Ruhe kommen. Dieses Erlebnis musste ich einfach genießen, denn jede Faser meines Körpers schrie danach. Jede Sekunde würde ich auskosten, denn das war es wert. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich ein wildes Herz hatte, es war mein Urinstinkt. Ich hatte es schon immer gehabt, auch wenn es tragischer Weise zu lange in einem technischen Käfig gefangen gewesen ist. 

 




ageschéckt den: 21:09 Mon, 18 March 2019 vum: Feltes Michèle

Zeréck

Prix Laurence 2019

Feltes Michèle - Herz statt Geld



 

Unzählige, ein Abschlussdiplom in den Händen haltende Gestalten huschten durch den riesigen Ballsaal und genossen den Abend, auf den sie so lange gewartet hatten. Die Mädchen hatten das beste aus sich herausgeholt und die Jungs stolzierten, stolz auf ihre Begleitung wie Löwen durch die Gegend. Doch nicht jeder hatte eine Begleitung bei sich oder ein teueres Designerkleid…..

Cleo genoss den Abend, wie jede andere Jugendliche, stolz auf ihre Leistungen steuerte sie auf die Schüssel, die mit rosaroten Punsch gefüllt war zu. Voller Vorfreude schenkte sie sich ein Glas aus und ließ sich von prickelnden Geschmack auf ihrer Zunge davontragen. Sie erfreute sich an jeder Kleinigkeit auf diesem Ball und war einfach nur glücklich hier zu sein. Ihre unermüdliche Ausdauer hatte Früchte getragen und dies wurde bestätigt. Auf einmal spürte sie einen dumpfen Schlag, den jemand ihr gegen ihre Schulter versetzt hatte. Da sie zuerst an ein versehen dachte wirbelte sie nichtsahnend herum um eine Entschuldigung für ihre pochende Schulter zu empfangen. Doch sie erblickte nur ein stark geschminktes Gesicht, was von einem hämischen Lächeln gespickt war. Die dunkelhaarige Schönheit, die absolute Schulprominez hatte sich gerade ihr Opfer ausgesucht. „Mach Platz Altkleidercontainer, du verdirbst bloß den ganzen Punsch“, lächelte sie mich siegessicher an. Da hatte sie sich aber gewaltig geirrt, denn heute würde sich Cleo ihre Laune nicht verderben lassen. Cleo machte keine Anstalten ihr irgendwie Platz zu machen und ihr arrogantes Lächeln verwandelte sich zunehmend in ein säuerlicheres. In ihrem Stolz gekränkt und noch immer darüber erstaunt, dass jemand ihr die Show stahl verzerrte sie ihr Gesicht so, dass man Angst hatte, die meterdicke Schicht Make-Up auf ihrem Gesicht könnte zerbröckeln. Cleo beobachtete all dies mit einer enormen Genugtuung, sie wäre nie dafür gewesen, einen Menschen schlechtes zu wollen, doch heute mussten alle offenen Rechnungen beglichen werden. Lucia McHighborn musste endlich begreifen, dass neben ihr auch andere erfolgreiche Menschen existieren. Ihre Blicke kreuzten sich und sprühten Funken. Der Blickkontakt versprühte solch eine Energie, dass sich die Atmosphäre um die beiden Mädchen herum grundlegend veränderte, die Jugendlichen, die sich zuvor prächtig amüsiert hatten standen nun da um dem Geschehen stumm zu folgen. Angriffslustig stieß Lucia Cleo beiseite ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass Cleo noch immer das halb-volle Glas Punsch in ihren Händen hielt. Wie in Zeitlupe beobachteten sie, wie das Glas aus der Hand Cleos segelte und die rosane Flüssigkeit sich über Lucias wunderschöne Seidenkleid ergoss. Das Entsetzen spiegelte sich in ihren honiggelben Augen deutlich wieder. Cleo hingegen musste  hingegen ein leichtes schmunzeln unterdrücken, dieses materielle Denken belustigte sie einfach nur. Dieses Mal sah Cleo mit einem siegreichen lächeln auf Lucia hinab, und vor allem auf den riesigen Fleck inmitten ihres schneeweißen Kleides. Er verlief von ihrer, mit cremefarbenen Rosenblüten umringten Taille bis zu ihrem mit Spitze verzierten Saum. Die Bleiche, die Lucia ins Gesicht gestiegen war verwandelte sich nach und nach in Zornesröte, ihre Lippen wurden schmal und ihre Augen traten gefährlich weit aus ihren Augenhöhlen heraus. „Weißt du kleines, dreistes Ding, was du eigentlich angerichtet hast? Mein Vater hat dieses Kleid von seiner Geschäftsreise in Dubai mitgebracht. Du hast ein Kelvin Groß Kleid ruiniert! Ist dir eigentlich bewusst, wie wertvoll es war? Es war teuerer als ein teuerer Sportwagen! Du… Du…..!!“, vor lauter Zorn fand sie keine Worte mehr, sie stammelte nur sinnlose Satzglieder vor sich hin. Die Wut, die sich in ihr aufbaute, vernichtete all die Eleganz und Grazie, die sie sonst auszustrahlen versucht. Wie eine Tsunamiwelle baute sie sich in ihr auf. „Dein Kleid war keinen Euro wert, es war gelegentlich eine Massenproduktion, angefertigt für wohlhabende Kunden. Dich verbindet nichts mit diesem Kleid.“, Cleo strich mit der Handfläche über die, von ihr selbst uneben angenähten Stoffstücke. „Ihr denkt alle nur an Marken oder nachweisbare Preise, das wird unsere Gesellschaft einestags zerstören, die neuesten Markensneaker werden für einen teueren Preis bedenkenlos eingekauft, doch die fairgehandelten, umweltfreundlichen Turnschuhe sind dann für einen etwas überdurchschnittlerischen Preis viel zu teuer. Wo bleibt die Logik? Dein Kleid mag zwar eine Ausstrahlung haben, wie kaum ein Kleid sie haben wird, doch was ist mit meinem? Während meinen unzähligen Reisen habe ich Stoffreste aus den Haushalten gesammelt, die mir ein Dach über dem Kopf geboten haben. Ich bin mit den Menschen zusammengewachsen, habe sie und ihre Geschichten kennengelernt. Mein Kleid verbindet mich mit den Leuten, die ich lieben und schätzen gelernt habe. Auch wenn es nicht schön geschnitten und quietschbunt ist trage ich es mit Stolz. In meinen Augen ist die Menschlichkeit bei dir nicht mehr vorhanden, Lucia. Doch alle deine Mitläufer und Möchtegern Freundinnen sind nicht besser! Geht es euch alle nur um Geld? Wo ist dann das Herz gebliebenen?“ Mit diesen Worten wirbelte Cleo geschmeidig herum, setzte einen Fuß selbstbewusst vor den anderen und steuerte auf den Ausgang zu. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, die unbändige Lebensfreude, die sich in ihrem Körper sammelte strahlte sie nach außen aus. Sie hatte ihre Meinung geteilt, was ihre Zuhörer mit diesen Informationen taten, war ihnen überlassen.  Für sie stand nur etwas fest, sie würde ihr Leben so leben, wie sie es für richtig empfand. Sie würde jedem seine freie Meinung lassen und doch ihre Meinung äußern ohne andere zu manipulieren. Das war ihre Denkweise.  


 




ageschéckt den: 21:18 Mon, 18 March 2019 vum: Feltes Michèle

Zeréck

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LiteraTour 2019


vum 22. Abrëll bis de 5. Mee 2019
zu Beetebuerg


De Lies-Festival fir Iech all!
14 Deeg BeeteBuerg - BicherBuerg


7. Editioun vum LiteraTour a
5. Editioun vum Prix Laurence

Liesenswäert!
Déi 2 Anthologien vum Prix Laurence 2015/16 an 2017.
Dir kritt se op der Gemeng Beetebuerg.
 

Books

Kënnt am Abrëll 2019 eraus:
D'Anthologie vum Prix Laurence 2018.

www.literatour.lu

*  *  *

Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


HELMUT BÖTTIGER

-  Wir sagen uns Dunkles
Die Liebesgeschichte zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan
DVA, 2017


PHILIP ROTH

-  Nemesis
Roman, rororo, 2018


GRACE PALEY

-  A Grace Paley Reader
Stories, essays, poetry

Farrar, Straus and Giroux, 2017

-  Manchmal kommen ...
Gedichte, Schöffling & Co, 2018

RON PADGETT

-  Die schönsten Streichhölzer der Welt
Englisch - Deutsch, mit den Gedichten
aus Jim Jarmuschs Film Paterson
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, 2017

STEFFEN POPP (Hrsgb.)

-  Spitzen
Gedichte. Fanbook. Hall of Fame.
edition suhrkamp, 2018

JAN WAGNER

-  Die Live Butterfly Show
Gedichte, Hanser Berlin, 2018

ZENO BIANU

-  Infiniment proche
Poésie, Gallimard, 2015

ANTHOLOGIE BEAT ATTITUDE

-  Femmes poètes de la Beat Generation
éditions Bruno Doucey, 2018

CHARLES SIMIC

-  Picknick in der Nacht
Gedichte, Hanser, 2016


TAHA MUHAMMAD ALI

-  An den Ufern der Dunkelheit
Gedichte aus Palästina
Fischer Taschenbuch, 2013


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Das Buch der klassischen Haiku
Hrsgb. Jan Ulenbrook
Reclam, 2018


KATE TEMPEST

-  Let Them Eat Chaos
Sollen sie doch Chaos fressen
Lyrik, edition suhrkamp, 2018

-  Hold Your Own
Gedichte, Suhrkamp, 2016

-  Worauf du dich verlassen kannst
Roman, Rowohlt, 2016

TOMAS BJORNSTAD

-  Fjorde
Lyrik, édition g. binsfeld, 2018

LUC SPADA

-  Fass mich an
Beats, Punchlines, Bitchmoves
édition g. binsfeld, 2017


NICO HELMINGER

-  Autopsie
Roman (op lëtz.), Ultimomondo, 2014

-  Abrasch
Poesie, éd. phi, 2013

GEORGES HAUSEMER
(1957 - 2018)

-  Fuchs im Aufzug
Erzählungen, capybarabooks, 2017

KREMART

-  Déi 20 kleng Bicher am "Schuber"
aus der Collectioun smart
Erzielungen, éd. Kremart, 2017
 


Auteuren 2019

Archiv

Lescht Texter vum Concours

Immortal

Erageschéckt: 00:04 Tue, 19 March 2019


I know that I'll have to go soon. I just wish...

méi liesen...

Liebeslied

Erageschéckt: 23:25 Mon, 18 March 2019


Und ich sehe dich, ich sehe dich, ich...

méi liesen...

Schumann

Erageschéckt: 23:02 Mon, 18 March 2019


Ein deutsches Pferd steht im amerikanischen...

méi liesen...