Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2019 - Luxembourg
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Prix Laurence 2019

Roth Kiara - Horrortrip





Am Anfang ist alles schön. Die Geräusche des Waldes sind schön, die Bäume sind schön, ich bin schön und ich bin frei, fliege über den Wald und schließlich in weite Ferne, hinauf zu den Sternen. Ich strecke meine Hand nach der blassen Mondsichel aus, aber sie rutscht ab wie an einem Stück Seife. Ich falle, falle wieder herunter, doppelt so schnell, wie der Rausch mich nach oben katapultiert hat, und die Landung erfolgt hart und schmerzhaft.

Ich schlage in einem schwarzen Loch auf, orientierungslos und blind. Nach Ewigkeiten finde ich heraus, dass es nur deswegen so finster ist, weil ich meine Augen geschlossen halte. Ich reiße sie weit auf, verbiete mir zu blinzeln aus Furcht, sie nicht mehr öffnen zu können. Die Rillen der Baumrinden um mich herum verzerren sich zu grotesken Fratzen, die in den Schatten lauern und sich nach mir verzehren. Ich muss hier weg, muss ihnen entkommen, aber sie sind überall. Ich laufe schneller. In jedem Laubrascheln versteckt sich mein Name. Was wollen alle von mir?

Kurz bevor mich die Einsamkeit zu überwältigen droht, stolpere ich über etwas — nein, über jemanden. Zu meinen Füßen hockt eine in sich gekrümmte alte Frau.

„Tut mir leid!“ Ich bücke mich zu ihr, um mich zu versichern, dass ich sie bei meinem Sturz nicht verletzt habe.

„Nicht doch, nicht doch“, krächzt sie unter einem leichten Damenbart.

„Ich habe Sie übersehen“, stammle ich, von einer plötzlichen Angst befallen. „Ihnen geht es gut?“

Sie nickt nur und sieht mich aus kleinen Knopfaugen an.

„Kann ich Ihnen helfen?“

Sie reagiert nicht. Ich wende mich ab und will weitergehen oder weiterfliegen, als ihre Hand hervorschnellt und meine Knöchel mit einer Kraft umschließt, die ich ihr nicht zugetraut hätte. Es gelingt mir nicht, den Fuß zu heben. Die Angst legt sich um meinen Hals und schnürt mir die Kehle zu. Dadurch, dass ich so sehr auf meinen Herzschlag achte, wird er noch lauter, viel zu laut, zu kräftig. Bum, bum.

„Lassen Sie mich gehen!“ Ich versuche, ihre eisige Hand abzuschütteln, aber ermögliche ihr damit nur, auch mein anderes Bein zu fesseln. „Warum hindert mich jeder daran, meinen Träumen hinterherzulaufen?“ Erst, als ich die salzigen Tränen auf meinen Lippen schmecke, merke ich, dass ich weine.

Die Frau schweigt, aber sie hält beharrlich an meinen Beinen fest.

„Ich kenne Sie doch gar nicht“, schluchze ich. „Was wollen Sie von mir, was wollt ihr alle? Wieso könnt ihr mich nicht einmal in Ruhe lassen?“

Je mehr Kraft ich für meine Befreiungsversuche aufwende, desto enger legen sich ihre Finger um meine Knöchel, wie Stricke aus Eis. Ich verliere die Geduld, trete nach ihr und rufe um Hilfe, aber mein Schrei verhallt in schwarzer Leere.

„Es gibt so vieles, was mich davon abhält, meinen Wünschen zu folgen, aber ich hätte nicht gedacht, dass eine buckelige Frau es am besten schafft.“ Ich bin mir nicht sicher, ob meine Worte Sinn ergeben, aber es ist mir egal. Ich will nur reden, mit irgendjemandem, oder weiterfliegen. „Machen Sie etwa nie Fehler? Ergötzen Sie sich an Ihrer scheinbaren Perfektion, wie alle anderen auch? Es ist so leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, vor allem, wenn sie am Boden liegen.“

Die Frau blinzelt verwirrt, dann öffnet sie den Mund und entblößt einen unendlichen Abgrund. Ein falscher Schritt und ich falle hinein. Die Angst kriecht mein Mark hinauf bis zu meinen Gedanken, in die sie sich einnistet wie ein Parasit, und an mir zu nagen beginnt. Wie konnte ich so unvorsichtig sein?

„Ich bereue es doch! Es tut mir leid!“ Ich weiß nicht, was mir leidtut, aber Auswahl habe ich genug. Jedes Wort, jeder meiner fürchterlichen Gedanken. „Was muss ich tun, damit es aufhört?“

Sie sagt immer noch kein Wort. Ich schreie auf, kanalisiere sämtliche Emotionen in mir zu einer unsichtbaren Kraft, die ich in meine Beine lenke. Endlich gelingt es mir, mich ihrem Griff zu entziehen. Ich stolpere nach vorne auf den feuchten Waldboden, rolle mich ab und drehe mich zu meiner wortkargen Gesprächspartnerin um.

Sie ist weg. War nie da. Ich habe die ganze Zeit mit einer Baumwurzel gesprochen. Und dennoch hat sie mir die Lösung meines Rätsels offenbart: Damit es aufhört, muss ich weitermachen.


 




ageschéckt den: 02:42 Thu, 21 February 2019 vum: Roth Kiara

Zeréck

Prix Laurence 2019

Roth Kiara - In Wahrheit bist doch Du nur ich





Ich versuche, an meinem falschen Lächeln nicht zu zerbrechen, während ich die Treppen inmitten der anonymen Massen herunterstolpere. Alle hechten der Monotonie ihres Alltags hinterher, die auch mich ummantelt wie eine unsichtbare Rüstung. Sie schottet mich ab von den Fragen, die ich mir nicht zu stellen wage, und den Antworten, die ich nicht zu hören ertrage. Es fühlt sich gut an, in dieser leeren Hülle fühle ich mich geborgen. Es fühlt sich gut an, aber falsch, doch das ist einfach zu verdrängen. Ich habe Übung darin.

Meine Gedanken rattern wie der einfahrende Zug. Zusammen mit den anderen Gesichtslosen steige ich ein, setze mich in ein Viererabteil, Dir gegenüber. Ich nehme Dich erst richtig wahr, als die Bahn sich in Bewegung setzt und zusammen mit meinen Gedanken davonrattert. Die Landschaft zerfließt in Grautönen. Nebelbrühe wabert zwischen farblosen Vorgärten und dichten Wäldern. Vierzehn Minuten benötigt die Bahn für die Strecke, die ich längst auswendig kenne, vierzehn Minuten, die mich jeden Tag neu mehr mit mir selbst konfrontieren, als mir lieb ist. Tick. Tack. In meinem Kopf dreht ein unsichtbarer Sekundenzeiger seine Runden.

Du siehst mich an. Ich weiche dem Blickkontakt aus, weil man das so macht. Es schützt. Ich wahre so viel Abstand zur Außenwelt wie möglich, um mir bloß nichts einzufangen, um mich bloß nicht verwundbar zu machen. Doch Du starrst weiter, ignorierst die ungeschriebenen Regeln dieser Gesellschaft. Erst verachte ich Dich dafür, dass Du mich in der Schusslinie deines Blicks gefangen hältst, dann bewundere ich Dich. Wie machst Du das? Was wäre, wenn ich es auch wage? Weg vom Dröhnen meines Hirns und hinein in die grellen Lichter der Realität. Es ist kein einfacher Weg, die Lichter blenden, aber nach einer kurzen Suche finde ich ihn. Richte den Blick auf Dich. Zucke weg. Neuer Versuch. Diesmal bleibe ich.

Zwölf Minuten noch. Tick. Tack.

Wer bist Du? Du trägst High Heels, eine weiße Bluse, ein selbstsicheres Lächeln und Deinen Aktenkoffer wie eine Trophäe. Ich hingegen versinke in meinem viel zu großen Wollpulli, meinen kniehohen Boots und meiner Bedeutungslosigkeit. Unterschiedlicher könnten wir nicht sein. Schnell schaue ich wieder zum Fenster hinaus, sehe das Gleiche wie vorhin. Oder? Die Brühe lichtet sich allmählich, schwache Sonnenstrahlen tunken die Gärten und Bäume in blasse Farben.

Zehn Minuten. Tick. Tack. So lange noch.

Ich riskiere einen zweiten Blick und auch in Dir sehe ich mehr. Ich erkenne Teilnahmslosigkeit, Melancholie und minzgrüne Ohrringe. Meine Lieblingsfarbe. Die Art, wie Du die Beine übereinanderschlägst – wie ich. Die Schultern angespannt, die Augen müde und der Blick schwer – wie mein Spiegelbild heute Morgen. Ähnlicher könnten wir nicht sein. Fremde sind wir, anders, und doch sehe ich in Dir einen Funken von mir.

Die Andeutung eines Lächelns flackert über Dein Gesicht, aber so sehr Du es auch versuchst, es erreicht Deine Augen nicht. Dennoch probierst du es weiter. Ausdauervermögen, auch das habe ich mir abtrainiert, als ich erkannt habe, dass es sich nicht lohnt. Glück und Pech interessieren sich nicht dafür, wie viel Mühe wir uns geben. Oder hast Du andere Erfahrungen gemacht?

Ohrenbetäubende Stille fällt über uns, während wir uns einfach nur anstarren und den anderen mit unseren Blicken abtasten, auf der Suche nach Ähnlichkeiten oder Gegensätzen, nach einer Definition von uns selbst in Abgrenzung zum anderen. Findest Du mich? Siehst Du mich? Oder siehst Du nur die Rolle, in die ich jeden Morgen schlüpfe für Menschen wie Dich, die Schönheit mit Makellosigkeit verwechseln?

Du musst nicht so sein, will ich Dir sagen, es ist okay. Doch ich bleibe stumm, denn es stimmt nicht. Haarfarbe, Hautfarbe, Herkunft, Persönlichkeit, Krankheit, Liebe. Wir kategorisieren. Wir urteilen. Wir stigmatisieren. Sei du selbst, aber bitte nicht so. Das Mantra der Frauenzeitschriften und Ratgeber, verankert in der Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft. Wir kennen es beide, das weiß ich; diese Balance auf dem schmalen Grat der Akzeptanz. Eine falsche Bewegung und wir rutschen hinab zu den Ausgegrenzten, zu den Gestempelten, die wir belächeln, um uns überlegen zu fühlen. Das will niemand, also verstecken wir uns, unsere Narben und unsere Andersartigkeit hinter jeglicher Künstlichkeit, die wir aufkratzen können.

Noch sieben Minuten. Tick. Tack.

In Wahrheit sind wir doch alle gleich. Gleich gut und gleich schlecht. Gleich verletzlich und gleich wehrhaft. Wünsche. Träume. Anders und gleich. Wozu das Versteckspiel? Ich bin es genauso leid wie Du, und doch passe ich mich an, spiele mit, tauche lieber unter in meiner vertrauten Unscheinbarkeit, als etwas zu ändern.

Oder tue ich Dir Unrecht? Vielleicht ist das Dein wahrstes Selbst, das vor mir sitzt, vielleicht urteile gerade ich zu vorschnell. Wie sollen wir unterscheiden zwischen unserer Verkleidung und unserem Selbst, wenn die Grenzen so verwischen? Wenn wir von klein auf lernen uns zu verstellen, um zu gefallen, und dabei nicht mehr wissen, ob es die anderen sind oder wir selbst, denen dieses Bemühen gilt. Gefällst Du Dir?

Die Reise geht weiter. Der Zug überholt meine Gedanken. Draußen wird es bunter: Türkis, orange, lila. Die Farben kriechen über die Fassaden der Häuser, aber sie sind hässlich. Die Sonne zu hell, die Farben zu aufdringlich. Ungewohnt. Sie jagen mich zurück in meine Komfortzone, heraus aus der entblößenden Berührung unserer Blicke. Ich schließe die Augen, doch ich spüre Deine Gegenwart noch stärker als vorher.

Je länger Du mich anstarrst, desto mehr bröckelt meine Rüstung. Gibt es ihn etwa doch, den Sinn, den ich bisher nur nicht gefunden habe? Was ist Dein Geheimnis? Verrate es mir. Oder lieber nicht, vermutlich kann ich mit dem Wissen nicht umgehen. Was ich vorhin als Teilnahmslosigkeit gedeutet habe, könnte ebenso gut ein Ausdruck Deiner Eigenständigkeit sein, Deiner Unabhängigkeit von der Welt. Ich habe es nie für möglich gehalten, dass es Menschen gibt, die dem Druck des gesellschaftlichen Korsetts, das uns den Atem abschnürt, wirklich standhalten. Die wenigen, die so wirken, als schafften sie es, habe ich lediglich als gute Schauspieler abgetan. Vielleicht habe ich zu kurz gedacht. Was für eine beängstigende Vorstellung, dass das Unmögliche doch möglich sein könnte.

Drei Minuten. Nur noch drei Minuten? Tick. Tack. Die Zeit läuft und rennt und überschlägt sich.Du öffnest den Mund. Kurz erwarte ich, dass Du Dein Schweigen brichst, aber die Stille zwischen uns bleibt. Sie ist gar nicht so unangenehm, wie das Schweigen zwischen fremden Menschen sein sollte. Die Erkenntnis irritiert mich, dabei ist die Erklärung dafür denkbar einfach: Wir sind gar nicht so still, wie es sich anhört, schließlich kommunizieren wir die ganze Zeit miteinander. Oder spielt sich das alles in meinem Kopf ab? Es fühlt sich anders an als die inneren Monologe, mit denen mich meine Synapsen sonst überfluten. Irgendwie besser und weniger einsam. Beruhigend.

Und dann schaffst Du es. Dein Lächeln schwankt. Kurz befürchte ich, dass es Dir entgleitet, aber Du fängst es rechtzeitig wieder auf und schließt es in Deinen Augen ein. Freude sprüht. Du freust Dich, wirklich, auf so ein Leben? Aus Furcht, mich an den Freudenfunken zu verbrennen, presse ich mich tiefer in den Sitz. Nicht einmal mein eingeübtes Lächeln schafft es nach draußen.

Tick. Tack.

Das Rattern des Zugs wird leiser, der Wagen bremst ab. Die Wolkenkratzer der Großstadt verdrängen die Pseudoidylle der Vororte und spülen den optimalen Grauanteil zurück ins Fensterbild. Ich atme auf, spüre, wie meine Stirn sich glättet. Nur noch weniger als eine Minute. Nächste Station: Beschäftigungstherapie für meinen Verstand.

Als der Zug hält, stehen wir gleichzeitig auf. Kurz vor dem Ausstieg streifen sich unsere Oberteile. Einen Herzschlag lang stehen meine Gedanken still, zum ersten Mal an diesem Tag. Ein letzter Blick, ehe sich die Türen öffnen und uns in die Absurdität unseres unterschiedlichen gleichen Lebens entlassen. Ich sehe Dich und sehe mich und denke, eigentlich bist Du doch ich und wir sind wir. Oder nicht?

 




ageschéckt den: 13:57 Mon, 25 February 2019 vum: Roth Kiara

Zeréck

Prix Laurence 2019

Roth Kiara - Jana



 
Gefühle kommen und gehen. Das sagt meine Mutter immer, wenn ich Liebeskummer habe. Aber sie hat Unrecht. Es gibt Gefühle, die kommen ungebeten und gehen nicht wieder weg. Sie klammern sich an dir fest und lassen nicht mehr los, nisten sich tief in dir ein wie ein Virus, das darauf lauert auszubrechen. Ehe du dich versiehst, gibt es dich nur noch zusammen mit diesem Gefühl, das schwerer auf dir lastet als alles andere.
In meinem Fall ist es die Schuld, die zu meinem ständigen Begleiter geworden ist. Sie lässt nicht von mir ab, seit ich in Janas Gesicht geblickt habe, wenige Sekunden, bevor es passierte. In ihren nussbraunen Augen habe ich meine Reflektion gesehen, mein eigenes Erschrecken. Ich hätte sie aufhalten können. Doch ich habe mich keinen Meter von der Stelle bewegt.
 
Wenn mich vor einigen Wochen jemand gefragt hätte, wie ich Jana beschreiben würde, hätte ich nichts zu erwidern gewusst. Ihre Haut war so blass, dass sie beinahe durchsichtig wirkte. Braune Haare, farblose Klamotten. Ihr Erscheinungsbild war darauf zugeschnitten, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken. Erst hatte sie damit Erfolg. Bis die Jungs aus unserer Klasse herausfanden, dass sie ihre eigene Unsicherheit damit überspielen konnten, auf Schwächeren herumzuhacken. Man sagt, Mädchen seien die Expertinnen, wenn es um psychische Gewalt geht, aber die Jungs aus unserer Klasse machten ihnen Konkurrenz. Ihre Sprüche waren zwar weniger gerissen, dafür aber vulgärer und schonungsloser.
Jana wehrte sich nie. Ihre einzige Reaktion auf die Schikane war ihr durchdringender, kühler Blick, den sie vor dem Spiegel einstudiert haben musste. Er war gut, aber gespielt, das erkannte ich an dem kaum wahrnehmbaren Zucken ihrer Unterlippe, die sie schlechter unter Kontrolle hatte als den Rest ihres Gesichtsausdrucks.
Die anderen sahen immer nur zu. Ich sah immer nur zu. Wir alle wussten, dass es ungerecht war, aber niemand kam auf die Idee, für Gerechtigkeit zu sorgen. Vermutlich wäre es einfach gewesen, wenn mehrere von uns ihre Stimmen erhoben hätten. Doch wir blieben stumm, sogar die Lehrer. Wenn die Klasse zu laut kicherte, bat Herr Müller um Ruhe, aber die Lästerei stoppte er nicht - schließlich war es nicht seine Angelegenheit. Nein, es dauerte noch eine ganze Weile, bis Jana zu irgendjemandes Angelegenheit wurde.
 
Die Schuld ummantelt dich. Eine zähklebrige Masse. Du willst vorankommen, oder zurück. Doch es geht nicht. Mit eisigen Klauen hält sie dich fest.
Was haben wir uns dabei gedacht? Jeder wusste, dass es kindisch war. Aber niemand hat es ausgesprochen. Der fatalste aller Fehler: Jeder Einzelne verweilte in dem Glauben, die anderen seien davon überzeugt, dass die Aktion harmlos ist. Und die anderen haben immer Recht. Oder?
Ich weiß, dass ich tun muss, was getan werden soll, aber ich bin wie gelähmt. Kann nicht klar denken. Will ich auch gar nicht. Ich will nicht verstehen, was ich getan habe, denn sonst könnte ich nicht länger mit mir selbst leben. Es zu verstehen würde es realer machen. Unerträglich real.
Zieh deinen Mantel an! Öffne die Haustür! Mehrmals befiehlt mein Hirn meinem Körper, was zu tun ist, damit er nicht in Starre verharrt. Geh voran. Setz einen Fuß vor den anderen. Los! Mit jedem Schritt wird der Fluchtimpuls drängender. Ich muss immer mehr Kraft aufbringen, um meine Beine zu heben. Doch ich kann nicht mehr zurück.
 
Jana weinte nie. Nicht vor den Augen anderer. Nur ein einziges Mal hörte ich auf dem Mädchenklo ein Schluchzen, das nur von ihr stammen konnte. Leise, mühsam zurückgehaltene Tränen, die nun endlich hinausdurften. Die Jungs hatten ihr während der Deutschstunde besonders viele spöttische Kommentare entgegengeschleudert, aber ich konnte mich nicht an deren Wortlaut erinnern, so sehr war ich bereits daran gewöhnt.
„Jana?"
Zum ersten Mal sprach ich sie direkt an. Wahrscheinlich hätte ich das nicht getan, wären wir nicht allein gewesen.
Das Schluchzen verstummte.
Ich wusste nicht, weshalb ich es tat, aber ich wartete vor dem Waschbecken, bis es zur nächsten Stunde klingelte. Trotz allem tauchte sie immer pünktlich zum Unterrichtsbeginn auf.
Sie zuckte kurz, als sie sah, dass ich noch da war. Das bisschen Wimperntusche, das sie benutzte, war unter ihren geröteten Augen zu grauen Flecken verlaufen.
„Was haben sie getan?“
Sie senkte den Kopf. „Geld.“ Die Tränen erstickten ihre Stimme. „Sie wollen Geld, sonst behalten sie mein Handy. Sie haben vor dem Schultor auf mich gelauert und es mir abgeknöpft.“ Sie wirkte so zerbrechlich, dass ich den Drang verspürte, sie zu umarmen. Doch das konnte ich nicht tun, nicht hier, wo jederzeit jemand uns sehen konnte.
„Wie viel?“
„Hundert. So viel hab ich nicht.“ Als sie mich ansah, schimmerte in ihren Augen etwas wie Hoffnung auf. Kurz durchströmte ein wärmendes Gefühl meine Adern, das ich nicht recht zuordnen konnte, und sagte mir, was ich zu tun hatte.
Ich versicherte mich, dass sich niemand in der Nähe befand. Dann zog ich einen Fünfziger und einen Zwanziger aus meinem Geldbeutel. Für mich spielte Geld keine Rolle, mein Vater schmiss es mir entgegen, wenn ich ihn bloß lieb anlächelte.
Ungläubig starrte sie mich an und machte keine Anstalten, die Scheine entgegen zu nehmen. Ich presste sie ihr in die Hand.
„Kriegst du den Rest zusammen?“
Wortlos nickte sie, ihre Mundwinkel zuckten und formten dann ein schwaches Lächeln. Sie stürmte zur Tür.
„Kein Wort zu niemandem, verstanden?“, rief ich ihr hinterher. „Das hier ist nie passiert.“
Seit diesem Gespräch warf Jana mir ständig dankbare Blicke zu, die mich bald nervten. Eines Nachmittags sprach sie mich nach Schulschluss vor Mara und Zoey an.
„Wo geht ihr hin?“
Mir entging Zoeys skeptischer Blick nicht.
Erstaunlich selbstbewusst reckte Jana das Kinn und sah ihr direkt in die Augen. Normalerweise mied Jana jeden Blickkontakt. „Wollen wir was unternehmen? Ich könnte euch ein Eis spendieren.“
Mara brach in schallendes Gelächter aus, aber Zoey und ich stimmten nicht mit ein. Die Verblüffung war zu groß. Mir fiel auf, dass Jana eine für sie untypische rote Jeans trug, die ihr sogar stand.
„Ein Eis.“ Zoey legte die Stirn in Falten, als müsste sie nachdenken, aber ich wusste, dass ihre Antwort längst feststand. „Sorry, heute haben wir keine Zeit.“ Es klang nicht ganz so abschätzig wie erwartet, dennoch zeugte ihr säuselnder Tonfall davon, dass sie Janas Angebot nie ernsthaft in Erwägung gezogen hatte.
Doch Jana ließ nicht locker. In der Schule suchte sie immer auffälliger unsere Nähe und begann, mich jeden Morgen zu grüßen, nur mich und nur dann, wenn die Jungs es nicht hörten.
Zoey, Mara und ich waren ein eingeschworenes Team, und eigentlich hätte es klar sein sollen, dass in unserem Kreis für eine vierte Person kein Platz war, schon gar nicht für eine, die nicht entscheiden konnte, welche Schuhe am besten zu ihrer Jacke passen. So sahen das jedenfalls Mara und Zoey, die beschlossen, Janas Integrationsversuche auf ihre ganz eigene Art zu würdigen.
Nein, ich tue es schon wieder – ich wälze die Schuld auf die anderen ab. Das ist falsch. Es war unsere gemeinsame Entscheidung. Es war ebenso sehr meine Schuld wie ihre.
 
Es ist verführerisch leicht, den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ein Schutzmechanismus. Ich weiß nicht, wie ich aufhören soll, es zu leugnen, vor meinen Eltern, vor Janas Familie, vor mir selbst. Wenn die Wahrheit ein so grässliches Gesicht hat, dass du nicht erkennen willst, dass es dein eigenes ist, fällt dir nichts schwerer als der Blick in den Spiegel.
Der Weg zum Polizeipräsidium ist mühselig und kräftezerrend. Am schlimmsten allerdings ist die Tatsache, dass er an Janas Wohnung vorbeiführt. Ich dachte, ich könnte es schaffen. Doch kurz, bevor ich in die Straße einbiege, sacken meine Knie ein und ich entscheide mich dafür, den Umweg über das Schulgelände zu nehmen. Das macht es nicht besser. Überall hat Jana Spuren hinterlassen. Ihr Geruch schwebt in der Luft, als hätte die Ortschaft einen Teil von ihr aufbewahren wollen.
Vor dem schmiedeeisernen Schultor sinke ich zu Boden. Hart schlage ich auf dem Asphalt auf, aber ich spüre keinen Schmerz. Jedenfalls keinen physischen.
 
Im Oktober fragte Jana zum dritten Mal, ob sie etwas mit uns unternehmen dürfe. Sie stand einige Treppenstufen unter uns und sah zu uns hoch wie ein Hund, der um Essensreste bettelte.
Der Blick, der uns als stumme Absprache diente, dauerte keine Sekunde an. Wir waren geübt darin, die Gedanken der anderen zu erraten.
„Natürlich darfst du mit uns abhängen. Doch zuerst musst du beweisen, dass es dir wirklich wichtig ist, Zeit mit uns zu verbringen.“
Wir wollten sehen, wie weit Jana gehen würde. Damals war mir noch nicht bewusst, worum es mir wirklich ging, doch heute ist es mir klar. Ich betrachtete Jana als Experiment.
„Was muss ich tun?“ In Janas Stimme schwang eine naive Neugierde mit. Ihre Augen strahlten vor Freude darüber, diesmal keine Absage bekommen zu haben.
Für sie war es die Hoffnung darauf, dass ihr Leiden ein Ende haben würde. Wer mit uns befreundet war, musste sich vor den Sticheleien pubertärer Jungen nicht fürchten. Für uns hingegen war es nichts weiter als ein Spiel.
Wir brachten Jana dazu, freizügige Fotos zu machen und mit unserem Geschichtslehrer zu flirten. Es konnte nicht so schlimm sein, schließlich entschied Jana sich freiwillig dafür. So dachte ich jedenfalls. Heute drängt sich mir immer öfter die Frage auf, inwieweit man von freiem Willen reden kann, wenn die Betroffene keinen anderen Weg zu ihrem Ziel sieht. Sie machte alles mit. Uns wurde klar, dass wir uns etwas Größeres einfallen lassen mussten, um sie abzuwimmeln. Etwas Abschreckenderes.
 
Immer noch liege ich auf dem Asphalt und wünsche mir, nicht mehr aufstehen zu müssen. Doch eine ältere Dame in einem grauen Regenmantel kommt in schnellen Schritten, die nicht zu ihrem Alter passen wollen, auf mich zu.
„Bei der Kälte holen Sie sich noch den Tod!“
Beim letzten Wort zucke ich zusammen. Hastig rapple ich mich auf, bevor die Frau sich bücken muss, um mir hoch zu helfen. Das flaue Gefühl in meiner Magengrube lässt mich wanken. Brechreiz steigt meine Kehle hoch, ich unterdrücke ein Würgen.
„Ich bin ausgerutscht.“ Die Lügen kommen mir umso natürlicher von den Lippen, je mehr ich mich von mir selbst entfremde.
„Soll ich Sie nach Hause begleiten?“
Ich drehe mich zur Seite, starre den Asphalt an und schüttle den Kopf. Seit dem Vorfall fällt es mir schwer, anderen Menschen in die Augen zu sehen. Ich fühle mich, als hätte ich eine ansteckende Krankheit, die sich durch bloße Blicke überträgt.
Nachdem sie etwas Falsches getan haben, behaupten viele, sie seien sich nicht darüber bewusst gewesen, dass sie im Unrecht waren. Das ist eine Lüge. Ich glaube, man kann ganz genau zwischen Richtig und Falsch unterscheiden. Das Bauchgefühl sagt es einem. Manchmal will man bloß nicht darauf hören.
 
Der Masterplan kam von Zoey, und meine Zweifel in dem Augenblick, als sie ihn aussprach. Was würde ich darum geben, behaupten zu können, ich hätte es nicht besser gewusst?
„Denkt ihr wirklich ...“
„Oh, bitte!“ Mit strengem Blick sah Zoey mich an. „Du willst uns doch nicht den Spaß verderben?“
Mit blieb nur eine Antwort übrig. Stumm schüttelte ich den Kopf. Immer musste Zoey ihren Willen durchsetzen, und wenn sie das nicht schaffte, bestrafte sie diejenigen, die sie daran hinderten. Während andere sich mit ihrer Rücksicht selbst Steine in den Weg legten und mühsame Umwege in Kauf nahmen, marschierte Zoey stets schnurstracks auf ihr Ziel zu.
Um nicht bestraft zu werden, durfte auch ich ihre Pläne nicht hinterfragen. Schließlich würde es den Spaß zerstören.
 
Seit dem Vorfall befinde ich mich in einer Blase, die mich von der Außenwelt abschirmt. Geräusche und Gerüche nehme ich nur noch gedämpft wahr, ebenso wie meine Gefühle nicht mehr nach außen dringen. Ich lache nicht mehr, weine nicht mehr. Ich existiere noch, doch ich lebe nicht mehr. Quälend langsam zieht die Welt an mir vorbei, Tag für Tag, und mit jeder Sekunde finde ich meinen Platz darin schlechter wieder.
Das einzige Wesen, das mit mir in der Blase weilt, ist eigentlich viel zu groß, um hineinzupassen. Es ist das Monster in mir, meine dunkle Seite, die droht, die gute zu verdrängen. Das Monster wächst mit meinen Selbstzweifeln und ernährt sich von der Ungewissheit darüber, ob es meine gute Seite je gegeben hat. Die schlechte jedenfalls war schon immer da und hat nur darauf gelauert, zuzuschlagen. Ich häute mich wie eine Schlange und entblöße meine wahre Gestalt.
Ich muss weiter gehen. Nur so besteht noch Hoffnung darauf, den guten Teil in mir wiederzufinden, bevor er sich in dem schwarzen Sumpf aus Schuld verliert, in dem ich zu ersticken drohe. Die Aussicht auf das, was mich erwartet, vermischt sich zusammen mit dem Selbstekel zu einem giftigen Geschmack in meinem Mund, den ich nicht herunterschlucken kann.
 
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages malten einen goldenen Schimmer über die Wiesen. Sanfte Böen wirbelten meine Gedanken durcheinander. Obwohl ich einen dicken Mantel anhatte, fror ich. Selbst die Geräusche des Feierabendverkehrs drangen nur noch dumpf zu uns herüber. Wir befanden uns an einem Ort der Stille, und in diesem Moment auch an einem Ort der Einsamkeit. Nur Zoey, Mara, Jana und ich.
Janas Zittern übertrug sich auf meinen Körper, während wir den staubigen Weg entlanggingen, Zoey an der Spitze, Jana Hand in Hand mit Mara und mir. Es dauerte keine fünf Minuten, bis sich unter dem hohen Gras rostige Schienen herausschälten.
 „Was soll ich hier?“ Sie hielt meinen Blick fest, als könnte er ihr die Sicherheit geben, nach der sie sich sehnte.
„Der nächste Zug kommt in fünf Minuten.“ Als Zoey bemerkte, wie nervös Jana wurde, machte sie eine theatralische Pause, um die Wirkung ihrer Worte auszukosten. „Keine Sorge. Man sieht die Züge schon von Weitem.“
Ich legte Jana die Hand auf die Schulter. „Es geht ganz schnell.“ Ich wartete das zustimmende Nicken meiner Freundinnen ab und wünschte mir, ich hätte ihnen das Reden überlassen. Niemand wollte mir diese Aufgabe wieder abnehmen. „Sobald wir den Zug hören, geht es los. Wir brauchen nur ein Foto – auf den Schienen, mit dir und dem Zug.“
Sie starrte mich an, ungläubig, flehend. Jetzt. Jetzt wäre der Augenblick, in dem sie das Handtuch werfen sollte.
Jana tat nichts dergleichen. „Ich mache es.“
Ungreifbar schwebte ihre Aussage zwischen uns. Dies war einer der Schlüsselmomente, in denen jede Einzelne am liebsten die Notbremse gezogen hätte. Als Gruppe hingegen funktionierten wir anders. Uns leitete nicht die Summe unserer Einzelentscheidungen. Da war mehr als das, eine unsichtbare Macht, die uns den Zwang auferlegte, zu Ende zu bringen, was wir angefangen hatten. Jedem widerstrebte die Vorstellung, das Glied zu sein, an dem die Kette brach.
Es gab so viele Gelegenheiten, es zu verhindern.
Jana hielt den Blick gesenkt und fixierte angestrengt die Schienen. Stumme Blickwechsel. Der Wind wehte stärker, spiegelte unsere Unruhe wider.
Die nächste Minute wurde zu den längsten sechzig Sekunden meines Lebens. Ich zwang mich, tief ein- und auszuatmen. Sie durfte bloß nicht die Nerven verlieren.
Die Schienen vibrierten. Aus der Ferne ertönte das bretternde Geräusch des heranrasenden Zugs. Bevor Jana zu den Schienen lief, fiel ihr Blick in meinen.
 
Wenn ich an jenen Tag zurückdenke, gerät die Erinnerung an dieser Stelle ins Stocken. Dieser eine letzte Blick hätte mir verraten müssen, dass es sich längst nicht mehr um einen albernen Spaß handelte. Jana hatte Angst, aber ihr Wunsch, endlich dazuzugehören, übermalte ihre Furcht. Unser Experiment ist voll und ganz aufgegangen. Die Frage, wie weit sie gehen würde, beantwortete sich in diesen Sekunden: Bis zum bitteren Ende.
Irgendjemand sagte mal, Tapferkeit bestehe nicht darin, keine Angst zu haben, sondern sich seinen Ängsten zu stellen. Jana war die tapferste Person, die ich kennenlernen durfte.
Ich hingegen beschreite diesen Weg nicht, weil ich mutig bin. Im Gegenteil. Ich bin schwach. So schwach, dass ich mit meinen Schuldgefühlen alleine nicht mehr klarkomme. Solange ich die Wahrheit nicht herauslasse, frisst sie mich langsam von innen auf. Sie reißt mich nicht wie ein Raubtier in Fetzen, denn das wäre eine unverdiente Erlösung. Stattdessen nagt sie an meinen Eingeweiden, bis ich aus nichts anderem mehr bestehe als einer leeren Hülle.
Ich muss es tun. Aus purem Egoismus.
Vielleicht ist es Erleichterung, die mich durchströmt, als ich die steinerne Treppe zum Präsidium hochsteige. Ich weiß es nicht genau, denn ich habe vergessen, wie sie sich anfühlt. Bereits vor Tagen habe ich mir die Worte meiner Beichte zurechtgelegt, aber nun ist mein Kopf leer wie eine blankgewischte Schultafel.
 
Und dann ging alles so schnell. Wieder so eine hohle Phrase, die nur dazu dient, die Illusion der eigenen Unschuld aufrechtzuerhalten. Eine feige Entschuldigung dafür, nicht gehandelt zu haben, bis es zu spät war.
Es ging nicht schnell. Ich hätte Jana mindestens drei Mal vom Bahngleis wegziehen können. Ab dem Moment, in dem der Zug in meinem Sichtfeld erschien, dehnten sich die Sekunden zu Minuten aus.
Jana zückte ihr Smartphone. Es fiel zu Boden. Sie bückte sich, stolperte. Zoey kreischte auf. Bremsen quietschten.
Ich wusste, dass dies der Zeitpunkt war, in dem wir weglaufen sollten, aber ich konnte keinen meiner Muskeln bewegen. Irgendjemand drückte mich zu Boden, sodass die Gräser uns vor den Blicken der Passagiere abschirmten und mir die Sicht raubten. Ein Schrei entwich meiner Kehle und vermischte sich zusammen mit dem Krächzen der Bremsen und Janas Brüllen zu purem Schmerz, der sich in mein Gedächtnis einbrannte. In dem Brüllen steckte all die Kraft, die Jana in den letzten Jahren nicht zeigen konnte, die Verzweiflung, die sich angesammelt hatte, die Angst. Todesangst.
Wir wurden nicht erwischt. Die Geschichte des suizidalen Mobbingopfers passte zu gut, um sie zu hinterfragen. Nach diesem Tag sprach in der Schule niemand mehr ein Wort über Jana. Tote totzuschweigen funktioniert am besten, wenn ihr Name jedem, der ihn auszusprechen versucht, im Hals stecken bleibt.
 
Kaffeeduft strömt mir entgegen und ruft den mühsam unterdrückten Brechreiz wieder hervor. Die Wände im Präsidium sind so kahl und leblos, wie ich mich fühle, der Flur endlos lang.
Eins. Zwei. Drei. Ich habe mir angewöhnt, bis zehn zu zählen, wenn ich meine Gedanken nicht aushalte. Vier. Fünf. Sechs. Ich zwinge mich weiter zu atmen. Der simpelste aller menschlichen Reflexe lässt mich im Stich, als ob ein schweres Gewicht meine Lungen zusammenpresst. Sieben. Acht. Neun.
Ich stolpere nach hinten, als eine Tür aufgerissen wird und eine stämmige Kommissarin mich begrüßt. Mein Mund öffnet sich, aber kein Ton weicht von meinen Lippen.
Komm schon! Tu es. Tu es, so wie du es in Gedanken schon so oft getan hast.
„Tut mir leid, ich bin hier wohl falsch.“
Was habe ich hier verloren? Ich kann das nicht. Ich weiß nun, dass ich es nie schaffen werde, mein Geständnis laut auszusprechen.
Also ziehe ich mich in meine Blase zurück und lasse mich von der Schuld verzehren, bis nichts mehr von mir übrigbleibt. Vielleicht ist dies die einzig gerechte Strafe für Feiglinge wie mich.


 



ageschéckt den: 15:25 Sat, 16 March 2019 vum: Roth Kiara

Zeréck

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5. Editioun vum Prix Laurence

D'Finallen vum Prix Laurence mat de Live-Liesungen am Café Littéraire:

12 - 17 Joer: 27. Abrëll, 14.30 Auer
18 - 26 Joer: 28. Abrëll, 14.30 Auer

Liesenswäert!
Déi 3 Anthologien vum Prix Laurence 2015/16, 2017 an 2018.
Dir kritt se op der Gemeng Beetebuerg.
 

Books

Kënnt am Abrëll 2019 eraus:
D'Anthologie vum Prix Laurence 2018.
Présentatioun: 23. Abrëll, um 18 Auer, an der Librairie Ernster (Stad).

www.literatour.lu

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Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


HELMUT BÖTTIGER

-  Wir sagen uns Dunkles
Die Liebesgeschichte zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan
DVA, 2017


PHILIP ROTH

-  Nemesis
Roman, rororo, 2018


GRACE PALEY

-  A Grace Paley Reader
Stories, essays, poetry

Farrar, Straus and Giroux, 2017

-  Manchmal kommen ...
Gedichte, Schöffling & Co, 2018

RON PADGETT

-  Die schönsten Streichhölzer der Welt
Englisch - Deutsch, mit den Gedichten
aus Jim Jarmuschs Film Paterson
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, 2017

STEFFEN POPP (Hrsgb.)

-  Spitzen
Gedichte. Fanbook. Hall of Fame.
edition suhrkamp, 2018

JAN WAGNER

-  Die Live Butterfly Show
Gedichte, Hanser Berlin, 2018

ZENO BIANU

-  Infiniment proche
Poésie, Gallimard, 2015

ANTHOLOGIE BEAT ATTITUDE

-  Femmes poètes de la Beat Generation
éditions Bruno Doucey, 2018

CHARLES SIMIC

-  Picknick in der Nacht
Gedichte, Hanser, 2016


TAHA MUHAMMAD ALI

-  An den Ufern der Dunkelheit
Gedichte aus Palästina
Fischer Taschenbuch, 2013


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Das Buch der klassischen Haiku
Hrsgb. Jan Ulenbrook
Reclam, 2018


KATE TEMPEST

-  Let Them Eat Chaos
Sollen sie doch Chaos fressen
Lyrik, edition suhrkamp, 2018

-  Hold Your Own
Gedichte, Suhrkamp, 2016

-  Worauf du dich verlassen kannst
Roman, Rowohlt, 2016

TOMAS BJORNSTAD

-  Fjorde
Lyrik, édition g. binsfeld, 2018

LUC SPADA

-  Fass mich an
Beats, Punchlines, Bitchmoves
édition g. binsfeld, 2017


NICO HELMINGER

-  Autopsie
Roman (op lëtz.), Ultimomondo, 2014

-  Abrasch
Poesie, éd. phi, 2013

GEORGES HAUSEMER
(1957 - 2018)

-  Fuchs im Aufzug
Erzählungen, capybarabooks, 2017

KREMART

-  Déi 20 kleng Bicher am "Schuber"
aus der Collectioun smart
Erzielungen, éd. Kremart, 2017
 


Auteuren 2019

Archiv

Lescht Texter vum Concours