Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2019 - Luxembourg
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Prix Laurence 2019

Nagy Katalin - Weiblich





Als weiblich wird man geboren. Als Mädchen wird man erzogen. Zur Frau entwickelt man sich.

Wird man als Junge erzogen, ist man dann noch weiblich? Kann man dann noch eine Frau werden? Ist jede Frau weiblich und wird jedes weibliche Baby zu einer Frau?

Was für Opfer muss man zur Weiblichkeit bringen?

Als weiblich erblickt man doch die Welt. Dies können einem kein Mann und keine Frau ausreden.

Trotzdem behauptet man Weiblichkeit könne man erlangen.

Gott hat definiert wer weiblich ist, aber die Weiblichkeit haben wir erklärt.

Wieso ist in Weiblichkeit Weib versteckt und wieso ist man ein Weib, wenn man einem Mann gehört und ohne nur schwach.

Wenn es weiblich gibt, gibt es männlich. So ist wohl die Grenze zwischen beidem, was das jegliche Geschlecht definiert. Gebe es kein männlich, gebe es kein weiblich.

Was wenn man nicht für diese Rolle geboren wurde? Was wenn der Mann eine Last für eine Frau ist, wenn einen die lauernden Blicke abstoßen, wenn man nicht berührt werden möchte? Ist man dann eine Frau ohne Mann und ist man dann nicht mehr weiblich, denn ohne Mann ist man keine Frau?

Nie wird man gleich stehen.

Wieso sinkt der Wert einer Frau mit vielen Männer, aber der des Mannes steigt wenn er viele Frauen hatte? So als nehme jeder Mann, der die Frau einst hatte, ein Teil ihrer Kostbarkeit mit sich. Als breche er ein Stück von ihr ab und nehme es mit in seine Sammlung.

Wieso ist eine hässliche Frau, die nicht kochen kann, eine Frau die kein Kind erziehen möchte, die auf eigenen Beinen stehen möchte wertlos? Wieso wird eine unabhängige Frau gemieden?

Wieso ist ein Mann für eine Frau unentbehrlich, für einen Mann eine Frau jedoch nur eine Ergänzung.

Eine Frau soll möglichst schön und möglichst einfach sein. Sie soll nicht reden, nur lächeln, wenn er redet. Sie soll nicht nein sagen. Sie soll nicht kompliziert sein. Sie soll süß sein.

Schlagfertigkeit wird runtergeschlagen. Rechtfertigkeit wird rechtlos.

Er will nicht wissen was sie denkt, sie soll nicht denken. Ihr Wert sinkt.

Auf welchem Markt wird ihr Preis bestimmt?

Wieso ist der Mann der Käufer und der Vater der Makler?

Die teure Frau hat für ihre Schönheit mit ihrem Schweigen bezahlt und dafür wurde hoch gehandelt.

Die billige Frau hat für ihre Hässlichkeit mit Wissen getilgt und wurde dafür verwertlost.

Doch möge ich preislos werden, möge ich mannlos sterben, mögest du mir sagen, niemand wolle mich, nie werde ich verschweigen, nie werden die Hände eines Mannes mich in ihrem Besitz wissen, denn nur einem gehöre ich und nur auf einem Markt wird mein Wert gewogen und dies ist das Gericht Gottes. Vor ihm wird nicht meine Weiblichkeit geschätzt, nein, vor ihm stehe ich nicht als Frau und du nicht als Mann, vor ihm steht meine bloße Seele, befleckt durch die Unreinheit meiner Naivität, befleckt durch deine Hand, mit der du meinen Preis sinken wolltest, mit der nur fassen und nicht berühren wolltest, durch deine Augen, die nur schauen und nicht sehen wollten und durch deine Ohren, die sich der Taubheit verschrieben. Du hast mich verschmutzt, aber nur das Reine kann dreckig werden und nur der Dreck kann beschmutzen.

Vor Gott stehe ich nicht im Nachteil weil ich als weiblich geboren, als Mädchen erzogen und zur Frau geworden bin.

Für ihn bin ich genau wie du als Säugling geboren, als Kind erzogen und als Mensch gestorben.

 

 




eingesendet am: 16:51 Sun, 9 December 2018 von: Nagy Katalin

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