Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
 loading...

Prix Laurence 2018

George Lisa-Marie - Weggelaufen





„Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich muss weg.“

14:30 Uhr. Bald klingelt es, bald kann ich raus.

Die Zeit scheint still zu stehen. Während ich wie besessen auf die Uhr schaue, scheint jedes Uhrzeigerticken Jahre zu dauern. Ich sehe nur noch die Uhr. Alles andere wirkt schwarz.

14:34 Uhr.

"Lisa?!?" Plötzlich werde ich aus meiner kleinen Welt gerissen, mein Herz steht kurz still. Ich brauche ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass ich wieder in der realen Welt bin.

"Hallo? Die Lehrerin hat dich was gefragt!" W- warte was? Nein. Kann doch nicht sein. Das hätte ich doch mitbekommen, oder? Alle starren mich an. Kein einziges Wort bring‘ ich raus.

14:35 Uhr. Es klingelt.

Wortlos verlasse ich das Klassenzimmer. Vor den ganzen Bussen bin ich jetzt aber ratlos. Ich geh‘ nicht nach Hause. Ich kann nicht. Will nicht. Ich steige in einen Bus. Der Bus, der nach Norden fährt, ich wohne südlich der Schule. Mir war bewusst, dass es der falsche Bus war, aber ich konnte diesen inneren Willen nicht ablehnen. Man sieht mich komisch an. Noch nie bin ich mit diesem Bus gefahren, ist ja klar.

Ich setze mich an ein Fenster, irgendwie hindert mich mein ganzer Körper daran mich umzusetzen. Ich kann einfach nicht aufstehen. Also bleib‘ ich sitzen. An dem Fenster. Die Fensterseite, an der alle meine "Freunde" auf ihren Bus warten. Ihre Blicke quälen mich. Durchbohren mich. Noch nie hab‘ ich so einen großen unbeschreiblich schmerzhaften Schmerz verspürt. Ich halte das nicht mehr aus. Möchte den Vorhang zuziehen. Aber ich kann meinen Arm nicht heben. Es geht einfach nicht.

Verzweifelt schließe ich meine Augen und reise in meinen Gedanken in eine andere Welt. Eine Welt voller Glück und ohne Qual. In meine kleine perfekte Scheinwelt.

Bis plötzlich alles verdunkelt. Schwarz. Leer.

Die Dunkelheit kommt. Selbst hier holt sie mich ein. Die Dunkelheit von der ich täglich weglaufe, mit der ich jeden Tag zu kämpfen habe. Kein Tag an dem ich verschont bleibe. Und jetzt. Jetzt sitzt sie mit mir im Bus. Und ist so nah wie noch nie zuvor, selbst in meinem Kopf bin ich nicht mehr sicher.

Überall Dunkelheit und ich kann ihr nicht mehr entkommen. Sie reißt die Wände meiner Scheinwelt zusammen. Wie Glasflaschen zerspringt alles in kleine Scherben.

Jeder hasst mich. Einfach alle. Sogar die Personen, die ich meine Freunde nenne. „Stirb“

Immer wieder höre ich ihre Stimmen. Als wäre ich besessen. „Stirb“

Am Anfang machen sie mich traurig, später wütend. Warum denke ich an sowas?! Das sind meine Gedanken! Ich denke an was ich will! Nicht an sie. Definitiv nicht an sie.

Mein Kopf schreit. 1000 verschiedene Stimmen. Ich erkenne keine davon. Außer ihre.

Ihre fucking Stimmen! Jedes Wort von ihnen ist wie ein Messer das mich schneidet. „Stirb“

Warum ich? Was soll ich tun? Wenn selbst meine eigenen Gedanken mich verletzen? Wenn sogar meine Scheinwelt wie eine Glaskugel zerbricht. „Stirb“

 




ageschéckt den: 21:44 Mon, 12 March 2018 vum: George Lisa-Marie

Zeréck

Prix Laurence 2018

George Lisa-Marie - Wenn man Wörter hassen lernt.





Zum ersten Mal seit langem spüre ich meine bedeutlose Existenz. Die Einsamkeit, die mich begleitet, die ich sonst so erfolgreich verdränge.

Alleine.

Licht dringt durch die großen Fenster ein, der ganze Bus müsste überleuchtet sein, aber... Es fühlt sich an als würde meine Aura einen lichtlosen Raum erschaffen. Ich möchte ausbrechen. Aber ich weiß, dass ich die Freiheit, das Licht, nicht verdiene. Und bleibe stattdessen in der erdrückenden Dunkelheit.

Dunkelheit. Alleine.

"Hi" mein Handy vibriert. Sollte man sich über so eine Nachricht freuen, oder doch eher weinen. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich dieses Wort hasse. Es gaukelt das Bedürfnis des Wissens vor, täuscht die Interessen am anderen vor, obwohl von Anfang an klar war, dass keine vorhanden sind.

Lügen. Dunkelheit. Alleine.

Wohlbefinden vortäuschen, und abends im Bett weinen. Widerspruch. Ständig. Nie sag‘ ich die Wahrheit. Ich lüge genauso oft. Sie haben nur wegen mir damit angefangen. Ich bin schuld.

Schuld. Lügen. Dunkelheit. Alleine.

Warum muss ich mir das Tag täglich antun? Warum muss ich anderen das Tag täglich antun? Warum kann ich nicht verschwinden. Für immer. Ich weiß nicht was ich noch ändern kann.

Blende alles aus, verliere mich in mir selbst. Bleibe allein‘ zurück, während alle anderen weiter schreiten. Nur ich nicht. Nur ich nicht. Ich bleibe alleine. Bleibe hier. Wie lange ich wohl schon an dieser Stelle feststecke? Es ist zum Verzweifeln.

Ich ändere so viel, und trotzdem. Am Ende spielt das keine Rolle mehr. Nichts wird sich auf lange Sicht verbessern. Trotzdem versuche ich es so verzweifelt. Ich versuche es besser zu machen. Verzweifelt bekomme ich aber nichts hin.

Verzweiflung. Schuld. Lügen. Dunkelheit. Alleine.

Wenn man Wörter hassen lernt. Weil Bedeutungen an ihnen kleben. Und man diese am liebsten vergessen würde.

 




ageschéckt den: 22:16 Mon, 12 March 2018 vum: George Lisa-Marie

Zeréck

Matmaachen

Maach elo hei mat
beim PRIX LAURENCE 2018


bis den 19. Mäerz 2018. Fin du concours.
 

 

Mäin Text eraschécken

Recherche

Neiegkeeten

Wéi kann ech matmaachen?

 

 

LiteraTour 2018


vum 19. bis den 29. Abrëll 2018
zu Beetebuerg

De Lies-Festival fir Iech all!
11 Deeg BeeteBuerg - BicherBuerg


6. Editioun vum LiteraTour a
4. Editioun vum Prix Laurence


E schéine Succès!

Prix Laurence 2019
hei, vum nächste Juni un!

Elo do:
D'Anthologie mat de Finalisten a Laureaten vum Prix Laurence 2017.
Dir kritt se op der Gemeng Beetebuerg.

Och nach ze kréien:
D'Anthologie mat de Laureaten vun 2015 an 2016!

www.literatour.lu

*  *  *

Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


HELMUT BÖTTIGER

-  Wir sagen uns Dunkles
Die Liebesgeschichte zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan
DVA, 2017


LIZE SPIT

-  Und es schmilzt
Roman, S. Fischer, 2017


JÜRGEN BECKER

-  Graugänse über Toronto
Journalgedicht, Suhrkamp, 2017


LILY BRETT

-  Wenn wir bleiben könnten
Ausgewählte Gedichte, englisch & deutsch
insel verlag, 2014


CHARLES SIMIC

-  Picknick in der Nacht
Gedichte, Hanser, 2016


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Hrsgb. H. J. Balmes
Fischer TaschenBibliothek, 2016


KATE TEMPEST

-  Brand New Ancients
Gedichte, Suhrkamp, 2017

-  Hold Your Own
Gedichte, Suhrkamp, 2016

-  Worauf du dich verlassen kannst
Roman, Rowohlt, 2016

LUC SPADA

-  Fass mich an
Beats, Punchlines, Bitchmoves
éd. g. binsfeld, 2017


ISABEL SPIGARELLI

-  Nichts zu danken
Roman, éd. Saint-Paul, 2016


NICO HELMINGER

-  Autopsie
Roman (op lëtz.), Ultimomondo, 2014

-  Abrasch
Poesie, éd. phi, 2013

GEORGES HAUSEMER

-  Fuchs im Aufzug
Erzählungen, capybarabooks, 2017

KREMART

-  Déi 20 kleng Bicher am "Schuber"
aus der Collectioun smart
Erzielungen, éd. Kremart, 2017
 


Auteuren 2018

Archiv

Lescht Texter vum Concours

Carpe Nova Vita

Erageschéckt: 23:46 Mon, 19 March 2018


Wir schreiben das Jahr 2012 seit einem Monat. ...

méi liesen...

Es gibt kein Planet B

Erageschéckt: 23:19 Mon, 19 March 2018


Mutter Erde war grosszügig, man kann nicht klagen

méi liesen...

Unerwartete Begegnung

Erageschéckt: 23:04 Mon, 19 March 2018


"Eine neue Nachricht", meldet mein Handy. ...

méi liesen...