Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

Hengel Elsa - Bald oder Nie





Nach dem zweiten Klingeln bewege ich mich etwas schneller zum Klassenzimmer. Auf keinen Fall wollte ich zu spät kommen, denn meine Englischlehrerin neigte dazu, aus einer minimalen Verspätung ein Riesendrama zu machen. Als ich um die Ecke bog, traf ich auf meine Klassenkameraden, die vor der Tür auf Frau Schmidt warteten. Gut, noch rechtzeitig, dachte ich.

Dann erblickte ich Hannah und die Zeit blieb stehen. Ihr langes schwarzes Haar fiel auf ihre Schultern und verdeckte ihren Lieblingspulli, von dem sie mir erzählt hatte. Die blaue Farbe harmonierte perfekt mit ihren ebenso blauen Augen. Ihre Stupsnase, umgeben von leicht geröteten Bäckchen, ließ sie äußerst niedlich aussehen. Bei ihrem Anblick war es unmöglich, nicht wie ein Schneemann in der Sonne dahin zu schmelzen. Ihre freundliche Ausstrahlung wies auf einen wunderbaren Menschen hin. Gemeinsam mit ihr konnte man ebenso tiefgründige Gespräche führen als auch herzhaft lachen. Das wusste ich aus unzähligen Erfahrungen. Ich kannte sie sehr gut und wusste, sie war einmalig.

Als Hannah mich sah, legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen und sie nickte mir freundlich zu. Schmunzelnd hob ich die Hand und grüßte zurück. Noch ein bisschen warten. Bald. Bald kam der richtige Moment ihr zu sagen, dass ich mehr als Freundschaft wollte, dass ich sie liebte.

Nun, einige Jahre später, sehe ich sie da vorne in einem wunderschönen Hochzeitskleid. Ihre schwarzen Haare sind jetzt lockig, teilweise hochgesteckt, teilweise auf ihre Schultern herabhängend. Auf die Stupsnase haben sich vereinzelte Sommersprossen geschlichen, welche sie nur noch niedlicher aussehen lassen. Gleichzeitig aber kann ich in ihrer Ausstrahlung erkennen, dass sie zu einer starken Frau herangereift ist. Ihre Augen leuchten förmlich und teilen der ganzen Welt mit, dass heute der schönste Tag ihres Lebens ist.

Als Hannah sich zu mir dreht, legt sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Schmunzelnd nicke ich ihr zu und spüre die enge Bindung zwischen uns. Dann wendet sie sich wieder ihrem baldigen Ehemann neben ihr zu. Noch ein bisschen warten. Bald. Bald kommt der richtige Moment ihr zu sagen, dass ich mehr als Freundschaft will, dass ich sie liebe.

 




ageschéckt den: 19:04 Mon, 12 March 2018 vum: Hengel Elsa

Zeréck

Prix Laurence 2018

Hengel Elsa - Hinter mir





Ich bin alleine. Und trotzdem bin ich es nicht. Während ich den Weg entlanggehe, spüre ich, dass mich etwas verfolgt. Zuerst ist es nur ein Gefühl, ein Unbehagen, das sich in meinem Magen breitmacht. Ich spüre, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt und meine Augen sich leicht vor Angst weiten. Dabei habe ich bis jetzt weder etwas gehört, noch gesehen, noch gerochen. Bis jetzt.

Zuerst ist da dieser fürchterliche Gestank, den ich nichts Bekanntem zuordnen kann. Während ich ihn gezwungenermaßen einatme, fühlt es sich an als würde Säure durch meine Nase fließen. Das Unbehagen breitet sich mehr und mehr in meinem Körper aus, mein Puls wird schneller, meine Hände beginnen heftig zu schwitzen. Die Gedanken in meinem Kopf stellen sich alle möglichen Monster vor, doch ich versuche so gut wie möglich nicht durchzudrehen.

Dann höre ich Schritte. Schwere Schritte, die auf ein großes Etwas hindeuten. Meine Atmung wird schneller und meine schweißnassen Hände beginnen zu zittern. Ich spüre, wie das warme Blut immer schneller durch meine Adern gepumpt wird und es mir trotzdem eiskalt den Rücken runterläuft. Denn die Schritte, die weit entfernten Schritte, schienen auf einmal nicht mehr so fern zu sein. Das Etwas hat zu rennen begonnen und die dumpfen Geräusche werden lauter, immer lauter. Meine Gedanken schwirren im Kopf herum, zeigen mir das mögliche Aussehen meines Verfolgers und befehlen mir schlagartig, loszurennen. Dank dem Adrenalin in meinem Körper sprinte ich los, immer weiter durch die Dunkelheit. Eine Weile klappt das ganz gut. Meine schnellen Schritte und das laute Herzklopfen übertönen jegliche Geräusche hinter mir. Ist denn noch jemand hinter mir? Die Luft geht mir langsam aus und meine Beine schmerzen. Also bleibe ich stehen und sehe mich suchend um.

Für einen Moment bleibt mein Herz ebenfalls stehen. Denn hinter mir sehe ich… nichts. Es ist stockdunkel. Doch dann ertönen wieder die schweren Schritte und aus dem Nichts kommt etwas hervor. Meine Augen weiten sich, doch mein Gehirn steht zu sehr unter Panik als dass es vollständige Bilder formen könnte. Deshalb springen mir nur einige, furchtbare Details ins Auge: Riesige Tatzen mit scharfen Krallen. Blutbefleckte Zähne so dick wie ein Rohr. Seelendurchbohrende Augen, die mich unmittelbar gefangen halten. Mein Herz rast schneller als je zuvor, der Schmerz in meinen Beinen ist vergessen und mein Hirn schreit „LAUF!“. Ich entreiße mich angestrengt dem glühenden Blick und renne davon. Noch nie in meinem Leben bin ich dermaßen schnell gerannt und doch habe ich das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen. Irgendwann bin ich tatsächlich langsamer geworden, obwohl ich lauthals meine Beine anschreie, bis mir auch noch dadurch die Luft ausgeht. Durch die schlagartige Atemnot gemischt mit dem Versagen meiner Beine stürze ich zu Boden. Ich falle auf meinen Arm und der Schmerz durchzuckt meinen Körper wie ein Blitz, so dass ich einen lauten Schrei ausstoße, der letzte, der meiner Lunge entfliehen konnte. Mein Kopf, der ebenfalls einen harten Schlag abbekommen hat, pocht wie wild und meine Sicht wird unklar. Alles dreht sich um mich herum, obwohl ich in der Dunkelheit sowieso nichts erkennen kann.

Dann fühle ich den heißen Atem, der mir höllisch den Hinterkopf verbrennt. Ich bin wie gelähmt.  Eine spitze Kralle streift über meinen Körper und ist kurz davor, meine Haut aufzuschlitzen. Doch dazu kommt es nicht. Denn bevor ich einen letzten klaren Gedanken fassen kann, durchbohrt ein messerscharfes Gebiss meinen Leib, so dass meine Wirbelsäule grässlich knackt und es endgültig schwarz vor meinen Augen wird.

 




ageschéckt den: 19:06 Mon, 12 March 2018 vum: Hengel Elsa

Zeréck

Prix Laurence 2018

Hengel Elsa - Showdown





Als ich in die Küche gehe, erblicke ich sie. Meine Feindin. Die lästige Fliege. Sie krabbelt dort auf der Wand herum und bleibt stehen, als ich näher trete. Ich kneife meine Augen zusammen und bin mir ziemlich sicher, dass sie mich genauso misstrauisch anblickt.

   „So sieht man sich wieder, Fliege.“

   Sie schweigt.

   „Wir wussten beide, dass der Tag kommen würde.“

   Nun reibt sie ihre vorderen Beine aneinander. Sie scheint Pläne geschmiedet zu haben. Ich lasse es mir nicht anmerken, aber ein bisschen verunsichert mich das. Ihre Flügel glänzen im Licht und ich spüre ihren siegessicheren Blick auf mir ruhen.

   „Freu dich nicht zu früh“, sage ich bedrohlich. „Auch ich habe mich auf diesen Moment vorbereitet.“ Mit einem listigen Lächeln greife ich langsam nach der Fliegenklatsche auf dem Tisch. Dabei lasse ich mein Gegenüber nicht aus den Augen und beobachte genau, wie sich sein Gesichtsausdruck verändert. Nun ist die Fliege diejenige, die verunsichert ist.

   „Ach? Hast du jetzt Schiss?“, frage ich gehässig.

   Doch sie fängt sich wieder und durchbohrt mich erneut mit ihrem Blick.

   „Lass uns das nun ein für alle Mal klären.“

   Die Fliege nickt.

   Ich stelle mich breitbeinig vor die Wand, mit der Waffe in der rechten Hand. Dann atme ich einmal tief ein und wieder aus. „Ich bin bereit.“

   Der Showdown beginnt.

   Wir starren jeweils den anderen an, so wie Feinde das nun mal machen. Beide sind wir bereit zu reagieren, falls der andere zuerst handelt. Die Spannung hängt schwer in der Luft. Es herrscht Totenstille. Nur ein Staubbüschel fliegt über den Boden.

   Mit zusammengekniffenen Augen beobachte ich jede ihrer minimalen Bewegungen. Wie sie atmet. Wie sie mich genauso beobachtet. Ich setze mein ganzes Vertrauen in meine Reflexe, die mir hoffentlich in diesem Kampf beistehen werden. 

   Dann kommt der entscheidende Moment. Die Fliege setzt einen Fuß nach vorne und ich schlage blitzschnell mit meiner Klatsche zu. Bevor ich nachsehe, schließe ich kurz die Augen und atme tief durch. Langsam löse ich die Klatsche von der Wand und entdecke tatsächlich die Fliege, wie sie halb an meiner Waffe, halb an der Tapete klebt. Kleine Blutflecken zieren ihre Überreste. Ein triumphierendes Lächeln legt sich auf meine Lippen.

   „Tja, Fliege. Hättest dich nicht mit mir anlegen sollen.“

 




ageschéckt den: 19:07 Mon, 12 March 2018 vum: Hengel Elsa

Zeréck

Matmaachen

Maach elo hei mat
beim PRIX LAURENCE 2018


bis den 19. Mäerz 2018. Fin du concours.
 

 

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vum 19. bis den 29. Abrëll 2018
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4. Editioun vum Prix Laurence


E schéine Succès!

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hei, vum nächste Juni un!

Elo do:
D'Anthologie mat de Finalisten a Laureaten vum Prix Laurence 2017.
Dir kritt se op der Gemeng Beetebuerg.

Och nach ze kréien:
D'Anthologie mat de Laureaten vun 2015 an 2016!

www.literatour.lu

*  *  *

Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


HELMUT BÖTTIGER

-  Wir sagen uns Dunkles
Die Liebesgeschichte zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan
DVA, 2017


LIZE SPIT

-  Und es schmilzt
Roman, S. Fischer, 2017


JÜRGEN BECKER

-  Graugänse über Toronto
Journalgedicht, Suhrkamp, 2017


LILY BRETT

-  Wenn wir bleiben könnten
Ausgewählte Gedichte, englisch & deutsch
insel verlag, 2014


CHARLES SIMIC

-  Picknick in der Nacht
Gedichte, Hanser, 2016


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Hrsgb. H. J. Balmes
Fischer TaschenBibliothek, 2016


KATE TEMPEST

-  Brand New Ancients
Gedichte, Suhrkamp, 2017

-  Hold Your Own
Gedichte, Suhrkamp, 2016

-  Worauf du dich verlassen kannst
Roman, Rowohlt, 2016

LUC SPADA

-  Fass mich an
Beats, Punchlines, Bitchmoves
éd. g. binsfeld, 2017


ISABEL SPIGARELLI

-  Nichts zu danken
Roman, éd. Saint-Paul, 2016


NICO HELMINGER

-  Autopsie
Roman (op lëtz.), Ultimomondo, 2014

-  Abrasch
Poesie, éd. phi, 2013

GEORGES HAUSEMER

-  Fuchs im Aufzug
Erzählungen, capybarabooks, 2017

KREMART

-  Déi 20 kleng Bicher am "Schuber"
aus der Collectioun smart
Erzielungen, éd. Kremart, 2017
 


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