Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

De Jesus Almeida João Philippe - Lucy





Ich hörte nur noch einen lauten Knall. Jemand hatte die Haustür mit Wucht zugeschlagen, womöglich hatte er wieder einen harten Tag im Büro hinter sich. Ich ließ die Suppe kurz auf dem Herd stehen und schaute nach, was los war. Langsam dämmerte mir, dass ich alleine und niemand heimgekommen war. ,,Wieso sollte jemand um diese Zeit das Haus verlassen?‘‘, dachte ich. Plötzlich lief es mir kalt den Rücken hinunter. Hatte Lucy, meine Tochter, etwa das Haus verlassen?  Sie war immerhin, neben mir, die Einzige im Haus. Ich lief die Treppe hinauf und rannte in ihr Zimmer, meine Augen weiteten sich und ich fing an zu schwitzen. Niemand da, all ihre Sachen waren weg. Ich rannte die Treppe hinunter, griff nach dem Telefon und rief meinen Mann an.

,,Ist Lucy bei dir? Hast du sie gesehen?‘‘, fragte ich hektisch. Er antwortete: ,,Schatz, was redest du da? Lucy ist -‘‘, bevor er seinen Satz beenden konnte, schrie ich: ,,Nein, dort ist sie nicht! Sie ist nirgendwo! Ich hab nur die Haustür gehört... sie ist weg!‘‘. Er versuchte mich zu beruhigen und meinte mit einer sanften Stimme, dass alles wieder gut werde. Ich fiel auf die Knie, begann zu zittern und stottern. Der Telefonhörer baumelte in der Leere, manchmal ertönte ein kurzes ,,Hallo?‘‘, eine halbe Minute später nur noch ein sich wiederholender Piepston. Er hatte aufgelegt. Ich war zu schwach um aufzustehen, ich fühlte mich gelähmt, nicht fähig zu glauben, dass sie weggelaufen war. Ich versuchte aufzustehen, erfolglos. Ich legte mich auf den kalten Boden hin und starrte die Decke an. Ich erinnerte mich an all die guten und schlechten Zeiten, die ich mit Lucy hatte: Als sie einmal als kleines Mädchen von einem Huhn verfolgt wurde und herumschrie. Ihre ersten Schritte, ihr erster Schultag, als sie zum ersten Mal ihre Freunde zu einer Pyjama-Party eingeladen hatte. Welch schöne Momente! Eines Tages änderte sich jedoch alles. Es begann damit an, dass sie bei einer Freundin übernachten wollte und früher nach Hause kam als vorgesehen. Sie hatte sich anscheined mit ihrer Freundin zerstritten und hatte meinen Mann angerufen, um sie abzuholen. Jedoch war sie... anders, als wäre es nicht meine Tochter, nicht meine Lucy. Seitdem fühlte sich das Haus auch menschenleer an. Mein Mann machte Überstunden und war nur noch abends hier, und Lucy...sie war ruhig, nicht mehr so verspielt und energiegeladen, wie sie es früher einmal gewesen war. Wenn diese eine Nacht etwas mit ihrem plötzlichem Verschwinden zu tun hatte, warum jetzt? Das war doch schon Jahre her! Wieso sollte sie jetzt erst weglaufen?

Plötzlich ging die Tür auf. Ich stand auf und rannte zu ihr, zu meiner kleinen Lucy. Als ich jedoch den Flur erreichte, standen zwei Männer dort. Mein Mann und ein Fremder. Spontan sagte der Fremder: ,,Wie ich sehe, ist es also wieder passiert.‘‘ Ich guckte ihn verwirrt an und fragte: ,,Was? Was ist wieder passiert?‘‘ Ich wandte mich an meinen Mann: ,,Wovon redet er da?‘‘ ,,Schatz, hör endlich auf damit.‘‘, stotterte er verzweifelt. Ich starrte ihn an, komplett ahnungslos. ,,Ich versteh‘ nicht, wo ist Lu-‘‘

,,Lucy ist tot verdammt...‘‘, schrie er, ,,Schon seit Jahren und du tust jeden Tag so, als sei sie..., als sei sie noch...‘‘ Ich schaute ihn an. Was? Lucy ist tot? Das war’n Witz, oder? Er fing an zu weinen und umarmte mich. Er fühlte sich kalt an, obwohl es noch nicht Abend war und der Sommer gerade angefangen hatte. Ich blickte zur Tür hinaus, die sie nicht geschlossen hatten, und sah eine kleine Gestalt. Sie trug gänzlich verdreckte Kleider und war mit Erde und Blut übersät. Sie trug ein Schild bei sich und begann etwas draufzuschmieren, ohne überhaupt draufzuschauen. Sie starrte mich mit ihren dunklen, leeren Augen an und wandte keine Sekunde ihren Blick von mir ab. Sie lächelte umnachtet und zeigte mir dann das Schild. Ganz rot verschmiert stand drauf: ,,Lass mich nicht wieder im Stich, Mama!‘‘

Ich schrie.

 




ageschéckt den: 13:43 Mon, 26 February 2018 vum: De Jesus Almeida João Philippe

Zeréck

Prix Laurence 2018

De Jesus Almeida João Philippe - Vefolgung





Plötzlich fiel ein ohrenbetäubender Schuss, der mich nur knapp verfehlte. Ich rannte und rannte durch den Wald, doch er schien endlos zu sein. Hinter mir ein Mann mit einer Waffe, der nicht einmal geblinzelt hatte, bevor er auf mich geschossen hatte. Ich spürte, wie mein Herz raste, als ich mit Adrenalin vollgepumpt durch den nebeligen Wald um mein Leben lief. Bei jedem Schuss fühlte es sich an, als hätte mein Herz kurz aufgehört zu schlagen. Meine Gedanken drehten sich nur um die Frage: ,,Hat es mich erwischt? Ist es jetzt vorbei?’’ Aber ich gab nicht auf. Plötzlich versagte mein Bein und ich fiel hin. Er fühlte sich warm an, meine Augen weiteten sich, als ich das ganze Blut sah, das aus einer Schusswunde in meinem Bein kam. Er hatte mich erwischt, dieser Dreckskerl hatte mich erwischt und ich hatte es nicht mal bemerkt. Ich blickte um mich herum, sah ihn jedoch nicht. Wie war es überhaupt zu dieser Situation gekommen? Aber es war nun zu spät, um über all meine Entscheidungen nachzudenken. Es würde sowieso nichts mehr nützen, da er mich bald hilflos am Boden vorfinden würde, ganz allein und ohne Möglichkeit diesem traurigen Schicksal zu entkommen. Ich hörte an Schritte, ich spürte, wie er immer näher kam, und ich wusste, dass mein Ende nahte. Ich hörte einen weiteren Schuss und schloss meine Augen. Erneut spürte ich nichts. War es wegen dem Adrenalin? Wieso spürte ich nichts? War ein Teil meines Körpers schon taub? Plötzlich hörte ich ein stumpfes Knallen und öffnete vorsichtig meine Augen. Der Mann, der mich durch den halben Wald verfolgt hatte, lag jetzt tot vor mir. Ich traute meinen Augen nicht, aber ich war mir sicher, dass er tot war. Aus seinem Schädel trat Blut hervor.

,,Hat er sich selbst erschossen?’’, schoss es mir durch den Kopf, ,,Nein! Jemand muss ihn erschossen haben..., aber wer?’’ Ich schaute mich um, es war jedoch niemand in der Nähe. Ich fühlte mich kurz erleichtert, dass ich niemanden sah und dass der Mörder meines Verfolgers höchstwahrscheinlich die Flucht ergriffen hatte. Doch dann spürte ich ein Entsetzen in mir. Wenn sonst keiner hier ist, wer wird mir dann helfen? Allein der Gedanke, dass ich neben einer Leiche verbluten würde, brachte mich zum Weinen. Ich schaute hinauf in den dunklen, mit Sternen beleuchtenden Himmel. Es wurde kälter und ich spürte langsam wie meine Finger froren und nicht mehr von warmem Blut durchströmt waren.

,,Heh...also doch mein Ende?’’, nuschelte ich, ,,Ich… will noch nicht sterben…‘‘ Tränen kullerten mir die Wange runter und der Schmerz fing langsam an zu verschwinden. Ich spürte wie die eisige Kälte langsam in mir hineindrang und mich von innen langsam aber sicher vernichtete. Mit meinem letzten Atemzug spuckte ich ein bisschen Blut heraus und mit großen Qualen brachte ich noch ein leises ,,Wieso…‘‘ hervor.
 




ageschéckt den: 13:58 Mon, 26 February 2018 vum: De Jesus Almeida João Philippe

Zeréck

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Kleng Lecture, déi Iech vläicht weiderbréngt:


HELMUT BÖTTIGER

-  Wir sagen uns Dunkles
Die Liebesgeschichte zwischen
Ingeborg Bachmann und Paul Celan
DVA, 2017


LIZE SPIT

-  Und es schmilzt
Roman, S. Fischer, 2017


JÜRGEN BECKER

-  Graugänse über Toronto
Journalgedicht, Suhrkamp, 2017


LILY BRETT

-  Wenn wir bleiben könnten
Ausgewählte Gedichte, englisch & deutsch
insel verlag, 2014


CHARLES SIMIC

-  Picknick in der Nacht
Gedichte, Hanser, 2016


SERHIJ ZHADAN

-  Warum ich nicht im Netz bin
Gedichte und Prosa aus dem Krieg
Suhrkamp, 2016


HAIKU ANTHOLOGIE

-  Hrsgb. H. J. Balmes
Fischer TaschenBibliothek, 2016


KATE TEMPEST

-  Brand New Ancients
Gedichte, Suhrkamp, 2017

-  Hold Your Own
Gedichte, Suhrkamp, 2016

-  Worauf du dich verlassen kannst
Roman, Rowohlt, 2016

LUC SPADA

-  Fass mich an
Beats, Punchlines, Bitchmoves
éd. g. binsfeld, 2017


ISABEL SPIGARELLI

-  Nichts zu danken
Roman, éd. Saint-Paul, 2016


NICO HELMINGER

-  Autopsie
Roman (op lëtz.), Ultimomondo, 2014

-  Abrasch
Poesie, éd. phi, 2013

GEORGES HAUSEMER

-  Fuchs im Aufzug
Erzählungen, capybarabooks, 2017

KREMART

-  Déi 20 kleng Bicher am "Schuber"
aus der Collectioun smart
Erzielungen, éd. Kremart, 2017
 


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