Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

Douw - Mina - Der Schrei



 

 

Mit schweren Schritten renne ich über den feuchten Waldboden. Ein leises Jammern lenkt meinen Blick nach hinten. ,,Mira’’, brülle ich panisch. Ich renne zu ihr. Ergreife ihre schlaffe Hand. Zerre sie hinter mir her. ,,Ich… ich kann nicht’’, japst meine kleine Schwester außer Atem. ,,Du musst’’, fahre ich sie entschlossen an. Hastig schlängeln wir uns zwischen den Bäumen hindurch. Eine unheimliche Stille umgibt uns. Irgendwo über uns, scheint der Mond auf uns herab. Immer wieder muss ich Mira vom Bodem aufziehen. Sie ist so schwach. Wird sie es überhaupt aus diesem Wald hinaus schaffen? Bei diesem Gedanken, schnürt sich mir die Kehle zu. Tränen treten in meine Augen. Ich verbanne diesen Gedanken aus meinem Kopf bevor er sich dort festklammert. Ich bin wild entschlossen diesen einsamen, düsteren Wald zu verlassen und das nicht alleine. ,,Können wir mal kurz stehen bleiben?’’, quengelt Mira. Ich blicke mich schnell um. Dort hinten könnten wir uns vorzeitig verstecken… aber dann sind wir trotzdem noch nicht in Sicherheit. Ich muss mich schnell entscheiden! Jede Sekunde zählt. ,,Siehst du den großen Holzhaufen dort hinten?’’, rufe ich meiner Schwester außer Atem zu. Sie nickt schwächlich und rennt mit letzter Kraft dorthin. Kaum sind wir dort angelangt, sinkt Mira erschöpft zu Boden. Ich hocke mich neben sie. ,,Skye?’’, wispert sie. Fragend blicke ich sie an. ,,Falls ich es nicht schaffen werde, denk daran ich lie…’’ Der Rest ihres Satzes geht in einem Schluchzer unter. ,,Psch…’’, beruhige ich sie und nehme sie in den Arm. Sie legt den Kopf an meine Schulter. ,,So darfst du nicht denken. Ich verspreche dir, dass wir beide hier lebend herauskommen. Dafür werde ich sorgen.’’ ,,Aber Skye…’’ ,,Nein! Kein aber’’, unterbreche ich sie entschlossen. Mira nickt bloß. Wir beide schweigen. Denken wahrscheinlich daran, dass meine Worte bloß einer verzweifelten Hoffnung entspringen.

Nach einer Weile erinnere ich mich daran, dass wir uns schon viel zu lange hier aufhalten. ,,Hey Mira’’, flüstere ich und stupse sie an. Sie hält die Augen fest geschlossen. ,,Mira?’’ Ich rüttele sie leicht. Keine Reaktion. ,,Mira!’’, rufe ich hysterisch. Als meine Schwester sich noch immer nicht rührt, greife ich mit zitternden Fingern nach ihrem Handgelenk. Das darf nicht wahr sein? ,,Bitte’’, murmele ich verzweifelt. Ich suche und suche, finde aber keinen Puls. Tränen laufen mir die Wangen hinunter. Schluchzend ziehe ich Mira an mich. ,,Es tut mir so leid’’, flüstere ich schniefend. Ich streiche ihr zärtlich übers Gesicht. Als ich ihren Hals berühre, halte ich erschrocken die Luft an. War da etwa? Nein, das kann nicht sein! Aufgeregt lege ich nochmals zwei Finger an ihren Hals und da spüre ich es deutlich. Sie lebt! Ihr Herz schlägt ganz normal weiter, während sie bloß ohnmächtig geworden ist. Plötzlich wird mir wieder unsere missliche Lage bewusst. Wie soll ich sie bloß aus diesem Wald hier schaffen? Ängstlich blicke ich mich um. Sie ist zu schwer. Ich kann sie nicht tragen. Die einzige Möglichkeit, die mir noch bleibt, wäre… Nein! Ich werde sie nicht hier lassen! Niemals. Ein Rascheln lässt mich aufblicken. Hinter einem Baum, ungefähr hundert Meter entfernt, sehe ich einen Mann durch den Wald stapfen. Ein hysterischer Schrei entwischt mir. Vorsichtig lege ich Mira in das Versteck zurück und renne los. Wohin? Weiß ich nicht. Was tun? Keine Ahnung. Ich sprinte durch den Wald, schlängele mich zwischen den unzähligen Tannen vorbei, springe über Sträucher und Wurzeln. Ich blicke nicht nach hinten. Nur ein einziger Gedanke verfolgt mich: Was wird er tun, wenn er Mira findet…? Wird er sie für tot halten und mich suchen? Die Idee, dass sie dann wenigstens eine kleine Überlebenschance hat, ist der einzige Lichtblick, der mir im Moment bleibt.

Plötzlich nehme ich eine Bewegung vor mir wahr. Abrupt bleibe ich stehen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Das darf doch nicht wahr sein! Hektisch blicke ich mich nach einem Fluchtweg um, doch auch wenn ich renne, er wird mich einholen. Wie angewurzelt stehe ich vor einer riesigen Tanne. Vorsichtig nähert die Gestalt sich mir. Als sie hinter einer Eiche hervortritt, atme ich ängstlich aus. Wer ist das? ,,Du brauchst keine Angst vor mir zu haben’’, redet der Mann freundlich auf mich ein. Ich richte meinen Blick nach allen Seiten hin. Ich bin in der Falle! ,,Ich weiß du kennst mich nicht, aber du musst mir vertrauen!’’ Langsam gehe ich einen Schritt nach hinten. ,,Ich will dir helfen.’’ Er kommt einen Schritt näher. ,,Ich werde dich vor Darus in Sicherheit bringen.’’ Ich drehe mich um und laufe los. Doch schon nach wenigen Metern holt er mich ein und legt mir einen Arm um die Taille. Ich kreische wie am Spieß, doch seine große, warme Hand erstickt alle meine Schreie. Nur ein einziges Wort schießt mir durch den Kopf: Hilfe! Ich versuche mich loszureißen. Zappele mit den Beinen, trete nach allen Seiten. Vergebens. Der Mann zieht mich mit sich. ,,Ich verspreche dir, dass ich nichts mit ihm zu tun habe! Ich bin ein Freund deines Vaters...’’ Erschrocken reiße ich die Augen auf. Ein Freund von Dad? Aber ich habe diesen Mann noch nie gesehen! Beim Gedanken an meinen Vater schießen mir wieder Tränen in die Augen. Erneut spielt sich die grausame Szene in meinem Kopf ab. Darus, der ihm die Pistole an die Schläfe hält und... abdrückt. Mir entfährt ein Schluchzer. ,,Er hat mich gebeten für dich und Mira zu sorgen, wenn er... es nicht mehr kann. Wenn ich dich in Sicherheit gebracht habe, hole ich deine Schwester...’’ Ich höre auf mich zu wehren. Auch wenn ich diesem Mann noch nicht vollkommen vertraue, so hört er sich doch ehrlich und besorgt an. ,,Wenn ich dich jetzt loslasse, versprichst du mir nicht zu schreien und mir zu folgen?’’ Ich nicke.

Endlich gibt er mich wieder frei. Er reicht mir die Hand. ,,Ich bin Henri. Freut mich dich kennen zu lernen, Skye.’’ Ich ergreife seine Hand. ,,Tut mir leid, falls ich dich erschreckt habe. Aber wir müssen jetzt von hier verschwinden’’, spricht Henri weiter. Er lässt meine Hand nicht los und rennt los. Wir schlängeln uns durch den Wald. Äste, Blätter fliegen an mir vorbei, doch ich nehme nichts davon wahr. Ich laufe hinter Henri her und wage es nicht, meinen Blick nach hinten zu wenden. Es wird immer dunkler und die Bäume immer dichter. Doch wir kommen dem Ende immer näher. Blind folge ich dem Licht, das uns entgegenstrahlt. In der ganzen Hektik übersehe ich eine Baumwurzel und falle der Länge nach hin. Henri hebt mich auf. Wir wollen wieder weiterlaufen, doch ein Geräusch lässt uns beide innehalten. Hinter einem Baum tritt ein großer, starker Mann hervor. Eine Waffe auf mich gerichtet. Ich schnappe nach Luft. ,,Darus’’, winsele ich. Sein grausames Lachen ertönt, als er sich mir nähert. ,,Es ist vorbei! Jetzt habe ich dich!’’ Ich schreie auf. Darus kommt immer näher. Die Waffe noch immer auf mich gezielt. ,,So und jetzt setze ich dem endlich ein Ende!’’ Mit diesen Worten legt er seine Finger um den Abzug. Mein Herz rast, ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich kann mich nicht bewegen, nichts sagen. Ich starre bloß in den Pistolenlauf, aus dem bald eine Kugel auf mich zufliegen wird. Ein zufriedenes Grinsen breitet sich auf Darus Gesicht aus. Dann drückt er ab. Das ist mein Ende! Ich nehme alles wie in Zeitlupe wahr. Die Kugel, die auf mich zurast. Henri, der sich vor mich drängt. Der mich zu Boden drückt. Die Kugel, die sich in seine Schläfe bohrt. ,,Nein!’’, kreische ich, als er leblos auf mich fällt. ,,Henri?’’ Keine Reaktion. Das darf nicht sein! Darus lacht lauthals und richtet die Pistole abermals auf mich. ,,Wie dumm Menschen doch sind! Er opfert sich für eine Göre!’’ Es ist als würde sich die ganze Szene nochmals abspielen. Darus Finger am Abzug. Wieder Zeitlupe. Er drückt ab. Ich warte auf das Zischen der Kugel. Höre jedoch nichts. Bin ich etwa schon tot? Wieder drückt er den Abzug, doch es ertönt nur ein Klicken. Irritiert betrachtet er die Pistole. Das ist meine Chance! Ich hieve Henris schlaffen Körper von meinem und renne davon. Ich höre Darus brüllen und wenig später ertönen schwere Schritte hinter mir. Doch ich werde jetzt nicht aufgeben! Ich renne weiter!

 

 




ageschéckt den: 23:00 Sun, 18 March 2018 vum: Douw - Mina

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