Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

GOERENS Jessie - Der Zauberspruch





Seit der Elfenkönig Lino und die Elfenkönigin Min Jae, über das Fantasieland herrschten, war alles viel entspannter. 

Hallo, ich bin Jessie, ein Troll und außerdem auch Bogenschützin beim Königspaar. Ich beschütze nicht direkt die Königsfamilie, dies tun die Mostachos, die Helden unseres Landes. Erstaunlicherweise sind dies Mädchen, die die Verteidigungskunst weit weg in einer geheimen Schule lernten. Aber es gibt auch noch unsere beiden Magierinnen und Schwestern, Elena und Kati. Sie ähneln sich überhaupt nicht, aber zanken sich ständig, wer die bessere von beiden ist. Neben all den Feen, Elfen, Trollen, Zwergen, … gibt es auch bösartige Wesen, "die Kuddelmuddels".  Sie zerstören das fröhliche Fantasieland und machen unser Leben grau. Die Kuddelmuddels versuchen immer wieder die Macht unseres Landes an sich zu reißen und uns zu versklaven. 

Heute war mal wieder so einen Tag und so fing alles an.

Mal wieder hatten sich die Magierinnen in den Haaren. Sie verbesserten ihre Gifttränke, so wie jedes Mal, wenn eine sich mal wieder behauptete und beweisen wollte. Sie nahmen Ratten als Versuchskaninchen, bei dessen Ratte das Gift schneller wirkte hatte gewonnen. Sie quietschten und piepten, jedoch waren sie immer identisch. Es musste so ein Schwesterninstinkt sein.

Heute hatten die Mostachos, Michelle und Lynn vor dem Palast Wache. Im Allgemeinen waren beide sehr zufrieden mit ihrer Tätigkeit, heute aber waren sie eher genervt und unruhig. Lynn konnte nicht mehr stillstehen und um Michelles Kopf schwirrte schon länger eine lästige Fliege. Im Palastturm saß noch ein dritter Mostacho, der alle andern auf jede Gefahr aufmerksam machte. 

Plötzlich, ohne Vorwarnung, schrie er lauthals auf und meldete "Kuddelmuddel-Alarm"!

Es war wie ein dunkler Schatten der über das Fantasieland zog. Alle Wesen versteckten sich und es war auf einmal sehr still geworden. Ich rannte weg, zum Königspaar, um sie zu beschützen und zu warnen. Trotz meiner schnellen Reaktion, überfiel mich ein noch nicht ausgewachsenes Kuddelmuddel, fesselte und knebelte mich. Ich versuchte zu schreien, aber vergeblich, und alles wurde schwarz um mich herum. Das kleine Kuddelmuddel schleppte mich zu einem Wagen in dem schon ein paar Gefangene inhaftiert waren. Glücklicherweise kam Elena und überraschte den Kuddelmuddel der mich gekidnappt hatte von hinten indem sie ihm eine heftige Ohrfeige verpasste. Dieser war leicht benommen und nachdem Elena mich aus meiner misslichen Lage befreit hatte, konnte ich ihr helfen den Bösewicht zu fesseln. Danach befreiten wir auch die anderen Gefangene und sperrten den Kuddelmuddel in den Käfig.

Währenddessen griffen Lynn und Michelle mit ein paar andern Mostachos eine kleine Truppe Kuddelmuddels an und schafften es sie zu töten. Die beiden Magierinnen bewiesen ihr Können mit den Zauberstäben, liefen voraus und waren eine große Hilfe für die Mostachos.

Es mussten hunderte bösartige Kuddelmuddels gewesen sein, die das Fantasieland belagerten. Ich lief zu den anderen, um ihnen im Kampf gegen die Feinde zu helfen. Kati zauberte mir Pfeil und Bogen herbei, die ich zuvor irgendwo vergessen hatte.

Es war ein einziges Durcheinander. Während sich die einen nach vorne kämpften wurden die anderen wieder nach hinten abgefeuert, bisher war es unvorhersehbar, wer diese Schlacht gewinnen würde. Elena und Kati ließen einen Blitz nach dem anderen durch die Herzen der Kuddelmuddels fahren, die tot umfielen. 

Auch die Zwerge trafen ein und schleuderten ihre, mit Sprengstoff beladenen Mützen ab. Lynn griff geschickt von hinten mit ihrem bronzenen Speer an und tötete einen Kuddelmuddel nach dem anderen. Meine beste Freundin Michelle war nicht in Sichtweite. Ich machte mir keine allzu großen Gedanken um sie, sicherlich kämpfte auch sie irgendwo, so wie ich hier. Die Zeit verstrich.

Plötzlich kam Anna, die beste Freundin meiner Schwester kreischend auf mich zu gerannt. Ganz außer Atem, berichtete sie mir, dass mehrere Bewohner und darunter auch Mostachos in einem Holzwagen entführt worden waren. Ein Opfer der Entführung sei Michelle, so wie auch meine Schwester.

Völlig außer Atem und besessen von dem Gedanken, dass den beiden etwas zustoßen könnte, schnappte ich mir die Magierinnen, Lynn und noch ein paar andere Mostachos, die zum Schutz dienten. Wir folgten ganz leise der Wagenspur, die wir zufällig auf einer Lichtung entdeckt hatten. Wir durchdrangen einen dunkeln, gruseligen Wald in dem ich noch nie zuvor gewesen war. Eine weiße Eule kreischte auf und flog mit heftigen Flügelschlägen weg. Ich zuckte erschrocken zusammen. Ganz in der Nähe roch es nach Rauch, als würde etwas brennen. Ich machte mir unendlich viele Sorgen. Langsam schlichen wir voran. Man konnte von weit her ein lautes Schnauben und Jammern hören, das von einem Bewohner vom Fantasieland kam, denn diese Stimme würde ich überall wiedererkennen: es war die meiner kleinen Schwester, die immerzu redete wie ein Wasserfall. 

So wie ich Lynn kannte wäre sie sofort losgelaufen ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, jedoch rührte sie sich dieses Mal nicht im Geringsten. Ich kannte diesen Blick. Sie hatte etwas Grauenvolles und Furchteinflößendes gesehen. Ich stupste sie an, keine Reaktion. Ich berührte sie noch einmal, aber sie regte sich noch immer nicht. Sie war kalt und erstarrt wie ein Eisblock. Plötzlich hörte ich das Lodern eines Feuers. Ich drehte mich um und verstand warum sie erstarrt war.

Ein riesiger feuerroter Drache lag an auf der Lichtung und schnarchte, so dass Rauchwolken und kleine Flammen aus seinen Nasenlöchern hervordrangen. Auch der Wagen mit den Gefangenen war dort stationiert. Ich sah meine Schwester und auch Michelle. Es war Zeit zu handeln, wir konnten nicht warten, denn der Drache konnte jeden Moment aus seinem Tiefschlaf erwachen. So musste ich Lynn eine heftige Ohrfeige geben, die einzige Möglichkeit um sie schnell aus ihrer Erstarrung zu erlösen. 

Dann schmiedeten Lynn und ich uns erst einmal einen Angriffsplan, wir wollten uns von Baum zu Baum nach vorne zum Drachen vorarbeiten. Jedoch wurden wir durch einen hellen Schrei unterbrochen.  Mir lief ein kaltes Schauer über den Rücken. Ich wusste nun, der Drache stand direkt hinter mir, dies verriet aber auch der lauwarme Atem in meinem verschwitzten Nacken. Ich spannte den Bogen und drehte mich sehr, sehr langsam um. Schnell ließ ich den messerscharfen Pfeil lossausen. Dieser machte dem Drachen jedoch nichts aus. Also noch ein Pfeil und noch einer!  Ich erkannte, dass meine Pfeile dem Drachen nichts antaten, also blieb mir nur noch die Flucht. So schnell ich nur konnte flüchtete ich weg, nur weg von dem Monster. Unglücklicherweise fiel ich über die Wurzel einer Hecke. Mein offener Schnürsenkel verfing und verknotete sich in den Dornen der Hecke und ich kam nicht mehr los. Ich kreischte: "Hiilllfffeee!!" Kati und Lynn kamen herbeigesaust um mich vor dem furchteinflößenden Drachen zu retten. Kati ließ einen Zauberspruch los um den Drachen zu vernichten, dieser perlte aber leider an ihm ab. Lynn half mir auf und wir flüchteten gemeinsam hinter einen dicken alten Baum. Der Drache brodelt vor Wut und glühendes Feuer schoss aus Nase und Mund. Kati sprintete los und dank ihrer verzauberten Turnschuhe, war sie schneller als das Licht. Anna, die auch mit dabei war, kam angeschlendert. Der Drache sah sie, aber leider sah sie den Drachen nicht. Der Drache machte sich bereit um Anna zu braten.

Gleichzeitig rannten Lynn und ich los und warfen uns auf Anna. Der Drache spuckte eine riesige Flamme auf uns und flog davon. Da lagen wir drei blutüberströmt und mit Brandwunden an allen Gliedern. Der Drache war nicht mehr zu sehen. Lynn und ich schleiften Anna zu einem Baum und beauftragten einen Mostachos sie in Sicherheit zu bringen. Zügig, liefen wir weiter. Ich sah Elena, wie sie gerade mit dem Holzwagen kämpfte um die Gefangenen zu befreien. Rasch ging ich ihr zur Hand, während Lynn zu den anderen eilte und ihnen ihre Hilfe anbot damit der Drache gefunden und besiegt werden konnte.

Mit meinem kleinen Taschenmesser schnitt ich mühsam die einzelnen Holzstücke des Gitters durch, in dem die Gefangenen kauerten, weil der Zauberspruch keine Wirkung zeigte. Nach einer halben Ewigkeit hatten Elena und ich endlich genug Holzstücke zersägt, so dass die Gefangene aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis herauskamen. Ich sah Michelle und begrüßte sie voller Freude mit unserem Handschlag. Meine Schwester stieg heraus und lächelte mich glückselig an. Unterdessen kam Lynn mit einem Einhorn angeritten, das sie höchstwahrscheinlich gefunden hatte. Sie hatte schon öfters Einhörner gefunden da eine ihrer Fähigkeiten darin bestand mit diesen zu kommunizieren, sie ist nämlich eine Einhorn-Flüsterin. Völlig außer Atem keuchte sie: "Ich unterbreche euch ja nur ungerne, jedoch müssen wir noch einen fiesen Drachen besiegen!" Die Realität holte uns zurück! Lynn warf mir und Michelle einen schweren Rucksack zu. 

Als wir ihn öffneten, fanden wir ein Blasrohr, einen zweiten Bogen inklusive Pfeile, einen Bumerang und ein Speer. Wir bedankten uns und stiegen auf das Einhorn. Lynn ritt los. Vor uns sahen wir kämpfende Mostachos  und der feuerspeiende Drache. "Hey du doofer Drache, dreh dich doch mal um!" rief Elena wutentbrannt. Dieser wendete sofort den Kopf und man konnte erkennen, dass er noch saurer als vorher war. Elena zückte ihren Zauberstab und bombardierte den Drachen mit Zaubersprüchen. Nach einigen Minuten war Elena leichenblass, hatte fast keine Energie mehr und trotz ihres Einsatzes hatte der Drache seine unbändige Stärke bewahrt. Michelle rief nach Kati, die sie ablösen sollte. Sie sprang hinter einem Baum hervor und sprach: " Draconis, et perdere faciam te, et si quod est ultimum spell!" Sie sprach diesen Zauberspruch in einer Sprache die ich zuvor noch nie gehört hatte und ich war verblüfft. Komischerweise wirkte dieser Zauberspruch beim Drachen. Auf einmal sah er völlig erschöpft aus. Vielleicht hatte er Schmerzen?  Jetzt war Michelle an der Reihe. Sie zog ihr Schwert aus der Hülle und kletterte auf den Drachen. Der Drache war durch den unverständlichen Zauberspruch so benommen, dass er nichts merkte. Als Michelle bei dessen Nacken angekommen war, hob sie das Schwert und trennte mit großer Wucht den Kopf vom Leib ab. Welchen Zauberspruch auch immer Kati ausgesprochen hatte, sie hatte uns das Leben gerettet! 

Der Drache war tot und wir konnten endlich wieder zu den andern nach Hause reiten um zu sehen ob sie den Rest der Kuddelmuddels siegreich bekämpft hatten, jedenfalls erhofften wir dies.

Zurück im Fantasieland, war alles grau und still. Entweder hatten die Kuddelmuddels die Macht an sich gerissen oder sie hatten sich zurückgezogen. Langsam schlichen wir uns zum Palast. Was würde uns dort erwarten? Würden wir weiterkämpfen müssen oder könnten wir uns gemütlich ins Bett legen und uns von den schlimmen Strapazen erholen? Wir bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Als wir das Stadtzentrum erreichten, war keine Menschenseele weit und breit. Wir erreichten ohne großes Aufsehen den Palast, wo ein kleiner Zwerg, ein Diener des Königspaars, auf der Treppe saß und bitterlich weinte. Michelle lief sofort zu ihm, um ihn zu fragen, was denn passiert sei. Unter endlosem Geschluchze berichtete er uns: " Die Kuddelmuddels haben sich zurück gezogen, aber leider wurde das Königspaar von den Kuddelmuddels vergiftet und wir warten jetzt schon seit Tagen auf die Magierinnen. Sie sind unsere allerletzte Hoffnung. Die Stadt liegt in Trauer. Entsetzt rannten Kati und Elena ins Schlafzimmer des Königspaars. Sie schlossen die Tür hinter sich ab, denn sie benötigten jetzt absolute Ruhe. Ungeduldig warteten und warteten Michelle, Lynn und ich auf dem Boden vor dem Schlafgemach des Königspaares. Uns tat alles so weh und überall hatten wir Schürfwunden. Die Müdigkeit hatte uns schon vor Erschöpfung übermannt, als endlich nach mehreren Stunden die Tür sich öffnete. Überrascht fielen wir drei nach hinten, weil wir uns vor die Tür gesetzt hatten. Von oben herab strahlten Elena und Kati uns an. Sie hatten es geschafft! Sie hatten den König und die Königin gerettet. Wir freuten uns alle riesig und umarmten uns vor Erleichterung.

Als Dank für unsere Taten, belohnten uns der König und die Königin mit den Wünschen, die wir uns schon immer erträumt hatten. Wir waren die Hauptgäste auf einem riesigen Fest, das Fest der Unabhängigkeit unseres Landes. Nichts kann uns aufhalten und das Fantasieland wird für immer ein friedvolles Reich sein. 

Dies war ein unvergessliches Abenteuer für uns alle, jedoch würden die guten wie auch die schlechten Momente immer in unseren Erinnerungen bleiben. Aber trotzdem hatte es auch etwas bewirkt, die Geschwister hatten seit 24 Stunden nicht mehr gestritten und zu guter Letzt ist auch Freundschaft entstanden, wahre Freundschaft und die ist wertvoller als alles Gold der Welt. 

Ende

 

 




ageschéckt den: 16:57 Sun, 18 March 2018 vum: GOERENS Jessie

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