Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

Ries Lynn - Flucht aus der Realität





Mein Atem geht rasselnd. Mein verschwommener Blick stiert nach vorne. Dort ist sie! Eine kleine Öffnung, welches sanftes Tageslicht verbreitet. Der einzige aufhellende Punkt in diesem grau gemauerten Nichts.

Wie lange laufe ich schon? Stunden? Tage? Wochen?

In diesem einengenden Zimmer scheint Zeit sinnlos und inexistent. Die einzige Konstante im leeren Raum sind meine haschen stolpernden Schritte auf dem weißen Marmorboden. Ich sinke erschöpft zu Boden und berühre den kühlen Stein, ein Schaudern ergreift meine Schultern. Mein Atem geht unstet und mein Herz droht meinen Brustkorb zu spalten.

Mir ist dieser Weg nicht so scheinbar endlos vorgekommen, als ich damals, erkennend dass ich hier gefangen bin, los lief. Ich sehe mich auf zitternden Knien gebettet um. Ich kann nichts erkennen, nur diese Öffnung. Nur ein halbdunkler Raum mit grauwirkenden unnachgiebigen Mauern und kaltem Marmorboden, die Decke hoch oben kaum erkennbar. Die Öffnung mit dem zarten verteilenden Schimmern scheint der einzige Ausweg. Ich sehe zum Lichtkegel. Noch zwanzig Schritte, rechne ich hastig. Jemand könnte mit mir in diesem Raum sein, ich würde ihn nicht bemerken aufgrund meiner sturen Fokussierung auf dieses Licht. Ich würde ihn nicht hören, so laut rauscht mein Blut in meinen Ohren.

Ich erhebe mich ächzend, brennender Schmerz durchzuckt meine Glieder. Doch etwas in mir brennt stärker: Hoffnung. Hoffnung dort einen Ausweg aus diesem Gefängnis zu finden. Ich renne los, mein Atem peitscht in der Stille und mein pumpendes Herz zählt die Schritte.

Wie lange laufe ich bis ich es endlich erkenne? Zweihundert Schritte? Zweitausend Schritte? Zweihunderttausend Schritte?

Irgendwann bleibe ich stehen und zittere am ganzen Körper. Ich erkenne, dass ich diese Öffnung nie erreichen werde. Egal wie lange ich auch laufen würde. Dieses Flimmern ist nur ein trügerischer unerreichbarer Schein, ein kleines Aufblitzen von Hoffnung in diesem düsteren Raum.

Damals, wie lange es auch her sein mag, bin ich durch ebendiese Öffnung hierhinein. Ich habe mich umgesehen und bin froh gewesen in einem neuen Umfeld zu sein, man nannte diesen Ort damals die „Realität“. Er vereinbart viele Bürden in sich, bergt aber auch neue Erfahrungen in sich wie Verantwortung, Selbständigkeit, Pflichten und lebensverändernde Entscheidungen. Es ist damals eine neue Welt gewesen, fernab von Kinderkritzeleien, Naivität, Abenteuern und erfundenen Märchenwelten. Eine neue aufregende Welt, real und anfassbar.

Doch es ist einem damals noch nicht bewusst, dass man nie wieder die Öffnung raus aus der Realität erreichen wird. Es ist damals noch nicht gewiss, dass dieser kleine Ausgang zu Nichts weiterem wird als einem Flimmern am Horizont. Diese neue Welt, die Realität, ummantelt einen und man erkennt, dass man für jede noch so arglos getroffene Entscheidung Eigenverantwortung übernehmen muss. Dass man von jetzt an von Trauer, Angst, Unsicherheit und Wut geleitet wird und man gefangen ist in diesem eiskalten Gemäuer.

´Doch, einen Ausweg gibt es nichtsdestotrotz´, denke ich und meine Gedanken schallen in der Einsamkeit wieder. Es gibt einen einzigen Ausgang, wenn auch nur kurzlebig, der es einem vermag aus der Realität zu entkommen. Dieser einzige Weg sind Träume. Ein Weg voller Fantasie und Unbekümmertheit.

Ich lege mich auf den eiskalten Marmorboden und schließe meine schweren Lider, während mein Atem sich vorsichtig beruhigt. Vor mir tut sich eine bunte Welt auf, eine Welt ohne Verlust und Hass. Eine Welt in der man alles sein kann und keine schwerwiegenden Entscheidungen einen immer mehr in eine Sackgasse drängen.

Ich öffne die Augen. Panisch sehe ich mich um und erkenne schnell, dass ich in einem dunklen schwarzen Zimmer gefangen bin. Mich umgeben harte Betonwänden und eiskalter Marmorboden befindet sich unter mir. Ich fühle mich von den Wänden erdrückt. Da! Eine kleine Öffnung! Es scheint wie ein Fenster, welches sanftes Tageslicht verbreitet. Ich rapple mich hoch. Ich muss aus diesem dunklen beengenden Raum hinaus. Ich gehe zuerst zögerlich los, bis ich loslaufe um dieses sich immerfort entfernende Schimmern zu erreichen.

Wie lange werde ich laufen, bis ich es endlich erkenne?

 




ageschéckt den: 15:28 Fri, 16 March 2018 vum: Ries Lynn

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