Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

Lagodny Elena - Der Katzenohrenjunge



 

Eine frische Sommerbrise weht mir durchs Haar, der Duft der Abgase der Autos gemischt mit dem reizenden Aroma der Kirschblüten des Parks steigt mir in die Nase und diese Musik des Gebrummes der Autos gepaart mit dem ohrenbetäubenden Gefluche der hörbar gereizten Fahrer und der Wind, der durch die Blätter der Parkbäume weht, ist atemberaubend und fühlt sich an als würde man mir den Kopf streicheln.

So bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch der diese Kombination von Lauten und Geräuschen angenehm findet. Hier sitze ich im städtlichen Park von Luxemburg auf einer Bank und genieße die Ruhe, die jedoch tragischerweise aber vorhersehbar durch die Stimme meiner aufgedrehten Freundin unterbrochen wird. Ihr zartes Gesicht und die runden Wangen passen wie der Deckel auf den Topf zu ihrem kindlichen und aufgedrehten Gemüt. Ihr blondes Haar scheint so golden unter der Sommersonne. „Lass uns was spielen Katrin,“ flehte sie mit einem verdächtig frechen Grinsen. „Wir sind keine Kinder mehr Hanne, du hast mich heute schon tausendfach gefragt und um ein kleines Spiel gebeten, warum Fragen wenn die Antwort schon klar ist. “ Och komm schon, bitte, bitte, BITTE!“ Hannes Stimme klingt nun wie bei einem quängelnden Robbenbaby und sie setzt nun wieder diesen Blick auf, ich verabscheue diesen Teufelsblick, nicht wegen des Blickes an sich, sondern weil diese Kombination aus funkelnden Glubschaugen und Flennmund mich immer wieder umstimmt, auch heute wieder ist es keine Ausnahme und wie mein sonst trotziges Gemüt nun will lasse ich nach. “Nun gut, aber bloß ein bisschen", murmle ich. “ Ich liebe dich, wie wäre es …, wenn wir „Wetten dass“ spielen, das Spiel wird ja schon durch den Namen erklärt, wetten, dass du nicht zu dem Jungen dort drüben gehst und mit ihm flirtest.“ "Du hast Recht,  das mach ich nicht", antwortete ich mit einem starren Blick im Gesicht, bis ich mich umentscheide  als der Spieleinsatz von Hanne preisgegeben wird. “Du kriegst auch Schokolade. Mit dem Satz hat sie mich, dieses  freche Luder, sie weiß, dass man mich mit Schokolade angeln kann. Mit einem Satz hebe ich mich von der Holzbank, wage langsam ein paar Schritte in die Richtung  der gegenüberliegenden Bank, stoppe jedoch abrupt als ich erkenne dass der Junge der sich auf dieser Bank niedergelassen hat,  Katzenohren trägt, was für ein Spinner, als ich die ganze Aktion schon abbrechen möchte, schleichen sich mir die Bilder von leckerer Schokolade in die Gedanken, wie ich meinen Magen hasse. Mit festen Schritten stolziere ich zu dem Jungen hinüber. Bei näherem Betrachten sehen die Katzenohren ganz schön echt aus, und sein Gesicht sieht auch wie von einem anderen Planeten aus. Diese riesigen Augen gruseln mich und lassen es mir kalt den Rüccken herunter laufen und diese Nase sieht aus als hätte sie keine  Löcher. Ich lasse en lässiges „Hey“ hinübergleiten aber der Junge reagiert nicht. Das zweite „Hey“ ignoriert er auch gekonnt, er lässt mich einfach links liegen, wie eingebildet. Ich tippe ihn an, um sicher zu gehen dass er nicht schliefe, doch diese leichte Berührung, wird mir zum Verhängnis!

Solch eine Ruhe, kein Mucks, kein einziger Atemzug zu hören, nicht einmal von mir Selbst, kein Vogelzwitschern, keine quietschende Autorreifen. Diese sich ausbreitende Stille fühlt sich so unwahr an  aber ist doch totale Realität. Ich drehe mich langsam  und zitternd in Richtung von Hanne um. Nichts, keine Bewegung, sie ist wie eingefroren, eingefroren in der Zeit. Auch um mich herum rührt sich nichts, ein Vogel der dabei gewesen war zu fliegen scheint nun wie erstarrt und schwebt einfach so auf Augenhöhe eines gerade aus dem Nest fallendem Eichhörnchen. Ich mache eine 180 Grad Drehung und da sitzt er, der Junge mit den Katzenohren. Er bewegt sich langsam, richtet sich elegant auf und spricht. “Sei gegrüsst, Erdling, es muss schnell gehen also unterbreche mich nicht. Mein Zeitlineal erlaubt mir nicht mehr als drei Minuten um mit dir zu reden. “Seine Stimme klingt sanft und doch stark und ich lauche weiter, weil mir sowieso nichts einfällt , was ich in einer solch skurrilen Situation nach entgegnen sollte.“Mein Name lautet Scork, Ich wurde vom Planeten Neptun hierher geschickt. Unser Panet ist dabei seine letzten Reserven an Treibstoff auszusaugen. Meine Mission ist es hier auf dem Wasserplaneten 77 neuen Treibstoff aufzutreiben den ihr Erdöl nennt, ich sollte mich als Erdling ausgeben, eure Spezies studieren um anschließend euer Vertrauen zu erlangen und mir euer Erdöl ausfindig zu machen, um die Bevölkerung meines Planeten zu bereichern und ihr zu dienen. Nun bitte stelle Fragen.“Einige Sekunden stehe ich erst einmal da mit offenenem Mund und glaube nicht was gerade passiert. “Ok, ich weiss ja nicht ,was du geraucht hast und was für ein schlechter Scherz ist das hier, aber du hast dich mit der falschen Frau angelegt.“ Auch der Katzenohrentyp schaut jetzt verdutzt aus der Wäsche. „ Es tut mir Leid, ich habe schon befürchtet, dass die Homo Erektus nicht dazu in der Lage sind, die Sprache eines höherrangigen Lebewesens zu verstehen, es fällt mir schwer die menschlichen Gefühle zu verstehen. Ich muss Sie nun bitten die Rolle meines Lehrers zu übernehmen,  Sie sind schnurstracks in meine Falle getappt. Ich werde ihre Erinnerungen auslöschen müssen damit sie nur noch das Verlangen haben mir zu dienen.“Er sah sekundenlang auf seine seltsamaussehende Armbanduhr. “ Oh,,  jedoch gibt es nun nicht mehr genügend Zeit ihnen all dies auf eine verständliche Art und Weise zu erklären. Ich werde nun gleich zu meinem Shuttle hochgebeamt ich setze nur noch  kurz den Mindblower an Ihnen an, bitte schließen Sie die Augen.“ Moment du Neunmalkluger Schlauberger “, unterbreche ich ihn, „das hier ist noch nicht vorbei, manche Fragen stehen noch offen du Streichemeister.“ Er zieht blitzschnell eine Waffe , oder was auch immer dieses Etwas darstellen soll, ich erschrecke springe in die Luft und spüre mein Herz rasen, immer mehr und immer mehr als würde es mir gleich aus der Brust herausschiessen und sich verabschieden, ich hebe langsam meine Hände in die Höhe ,doch kann vor lauter Zittern kaum still stehen. Ich versuche auf ihn einzureden, er solle sich beruhigen und die Waffe ganz langsam auf den Boden legen. Ein weiteres Mal springe ich auf, als er mir mit leblosem Gesichtsaudruck entgegnet: "Stehe still, Erdling, der Mindblower muss genau treffen, damit deine Erinnerungen ausgelöscht werden können." Ein Schuss so schnell, dass man ihn kaum deuten kann, fliegt mit rasender Geschwindigkeit auf meinen Kopf zu. Ich versuche mit allem Rest an Mut den ich noch besitze auszuweichen, aber ich bin zu langsam, er trift mich am Ohr, Schmerzen, welche ich noch nie in meinenm Leben so dermassen gespürt und verabscheut habe, breiten sich wie die Kälte in meinem Kopf aus, ein paar winzige Momente kann ich mich noch auf den Beinen halten, doch nach ein paar Sekunden Höllenschmerz, fällt mein ganzer Körper auf den Boden, ich zähle die Millisekunden, die ich brauche, bis ich den Boden berühre und das Bewusstsein verliere. Nach einiger Zeit, die ich brauche, um wieder einigermassen zu verstehen was um mich herum passiert, befinde ich  mich wie aus Zauberhand in den Armen des Typen, der mich in diese Lage gebracht hat, um mich herum Metallboden, eiserne Säulen und sich automatischöffnenden Türen, die mich an Star Trek erinnern. Was zum Geier!

Ehe ich mich versehen kann sitze ich in einem Käfig, der verdächtig an einen hundekäfig erinnert. Hockend  und zitternd begutachte ich nun die anderen Käfige um mich herum, in denen seltame Geschöpfe sitzen. Mein Lehrer in der siebten Klasse hatte also doch Recht gehabt, als er mir immer klar machen wollte, dass ich eines Tages einmal im Zoo arbeiten würde und siehe da, nun bin ich die Hauptattraktion in einem Streichelzoo, in dem sich meinen Berechnungen nach, mehr über hundert  Tiere befinden. Das Mädchen, das es für nötig hielt, sich mit einem Halbstarken anzulegen, der sich anschließend als Alien herausstellte. Das Wesen das sich neben mir in einem Käfig befindet und eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Schaf teilt, hört nicht auf mich anzugrunzen und anzufauchen, diese strarren Augen fesseln mich, es ist fasst schon erschreckend wie sehr mich die Spiegel zur Seele anziehen, doch ich ziehe ruckartig meinen Kopf hinweg, sonst würde ich noch Ewigkeiten in sie hinein starren, die Kälte geht mir so langsahm auf die Nerven und ich weiss noch nicht einmal genau ,wo ich mich überhaupt befinde. Ich mustere die Wände , hier muss sich doch irgendwo eine Tür befinden aber so sehr ich mich auch bemühe, dank der Dunkelheit kann ich nicht sehr viel erkennen , es fällt mir sogar schwer meine eigene Nasenspitze zu sehen. Ein Gefühl das ich so noch nicht kannte und nun mein ganzes Herz einnimmt ,lässt Tränen fliessen, meine Erinnerungen sie schwinden dahin und fliegen hinfort, das fühle ich tief in meiner Brust, ich versuche mich an meine Familie zu erinnern, eine Träne fliesst mir die Wange hinunter, sind Familien nicht etwas woran man sich erinnern kann, das einzige das ich weiss, ist dass meine Mutter ,mir immer wenn ich traurig war Pfannkuchen gemacht hat, aber wie haben sie geschmeckt, wie sah meine Mutter aus,  bin ich Einzelkind? Ich fange an alles zu vergessen ,ich sehe mich noch einmal um, ich atme schneller und schneller mir wird vor lauter Aufregung schlecht. Konzentrier dich, Katrin, komm schon, komm schon! Ein Lachen, das Lachen eines Mädchens, ich schließe meine Augen, ich kann ein Mädchen erkennen, wer ist das, eine bedeutende Person? Es ist meine Freundin Hanne, ihr Lachen, das charmante Lachen. Ihre Wangen! Meine Mundwinkel heben sich als ich mich erinnern kann , dass sie meine beste Freundin ist, ihr Lachen konnte mich in jeder Situation aufheitern, so ein bildhübsches Lachen, ich kann mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen, einige Sekunden später verschwindet alles, wo ist das Lachen hin, welches Lachen, von wem, das einzige Gefühl, das ich jetzt noch spüre ist Wut , das Velangen nach Rache, doch auch dieses Gefühl vergeht so langsam, als mir bewusst wird, dass ich wahrscheinlich nie wieder zur Erde zurück kehre. Warte mal, wie bin ich noch mal hier her gelangt? Ich schließe einige Sekunden lang die Augen, einige Sekunden lang voller Hoffnung, dass alles nur ein Traum ist, doch nichts rührt sich, soll der Rest meines Lebens also wirlich so aussehen, dass ich einem Alien diene bis in alle Ewigkeit? Doch dann höre ich etwas, einen Namen, meinen Namen, ich lausche einer Frauenstimme. „Katrin, Katrin, aufstehen, oder wills du etwa wieder zu spät zur Schule kommen? Ich erschrecke, redet da wirklich gerade einer mit mir? Ich schließe wieder einige Sekunden meine Augen, und öffne sie dann wieder, doch lange bleiben sie nicht offen, ein grelles Licht blendet mich, nun spüre ich eine Bewegung, jemand greift nach meiner Hand:“ Alles in Ordnung Katrin, Hanne wartet schon auf dich:“ Hanne? Mama? Ihr seid es wirklich. Alles war nur ein Traum. Mir kommen die Tränen und ich erkenne das besorgte Gesicht meiner Mutter:“ Alles ok Katrin, soll ich dir Pfannkuchen machen?“ Ich entgegne ihr, dass mit mir alles in Ordnung sei. Ich richte mich auf, laufe ins Bad und sehe mich um, das ist mein Bad, auf dem Waschbecken steht die rosa Zahnbürste meiner Mutter, meine Haarbürste, die ich von  Hanne geschenkt bekam, weil ich immer ihre benutzt habe. Der Duft der Zahnseife steigt mir in die Nase, gepaart mit Geruch der erst kürzlich genutzten Klospülung und die Musik des Herdes in der Küche, den man bis hier oben hin hört, all dies fühlt sich wundervoll an und ich jubele voller Begeisterung, so bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch, der solch eine Kombination von Lauten und Düften angenehm findet. Nach fünfzehn Minuten stehe ich vor meiner Haustür, an der Hanne bereits auf mich wartet. Ich nehme einen tiefen Atemzug und lausche genüsslich dem Strassenverkehr. Ich mache eine Kopfbewegung um Hanne zu zeigen, dass wir los können. Wir gehen zum Gartentor, ich öffne es und schließe es wieder, nachdem Hanne und ich das Grundstück verlassen haben. Das breite Grinsen auf meien Wangen möchte nicht mehr verschwinden und ich fühle mich pudelwohl. Einige Meter weiter erkenne ich eine Silhouette. Ein Junge mit schwarzen Katzenohren, ich lege einen Gang zu, nehme Hanne bei der Hand um möglichst schnell an diesem Spinner vorbeizukommen. Einige Meter weiter weg, spüre ich Erleichterung und atme langsam auf, Hanne scheint nicht ganz zu verstehen und fragt: “Alles in Ordnung, du verhälst dich heute so seltsam, Katrin." Ich öffne den Mund um sie zu beruhigen und zu erklären, dass ich lediglich einen schlechten Traum hatte, doch jemand lässt mich nicht ausreden und funkt mir dazwischen, ich drehe mich langsam um, um zu erkennen, wer mit mir spricht und in diesem Moment bleibt mir ein Kloß im Hals stecken, es ist der Katzenohrentyp: “Sei gegrüsst, Erdling."

 




ageschéckt den: 11:03 Thu, 15 March 2018 vum: Lagodny Elena

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