Prix Laurence - Bettembourg Prix Laurence 2018 - Luxembourg
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Prix Laurence 2018

Heep Sandy - Freudenpark im Abfalleimer



 

Vor kurzem besuchte ich, voller Vorfreude und bis zum Haaransatz gefüllt mit Kindheitsträumen, diesen weltbekannten Freudenpark. Es war ein kalter, dennoch freundlicher Tag im Dezember und mein Tag schien gerade zu perfekt. Wir fuhren mit dem Auto hin und sollten auch eine Nacht dort verbringen, schließlich war es mein erster Besuch. Kaum im Park selbst angekommen mussten wir erkennen, dass es als Erwachsene wahrscheinlich weniger „magisch“ ist und sein wird, als es mir mein Verstand weis machen wollte. Die ersten Meter vor den Pforten sollten uns all die Gefahren vor Augen gehalten werden, die die Menschheit momentan beschäftigen. Kindergeschrei, übermütige Teenager und genervte Eltern bei einer groß angelegten Taschenkontrolle. Dem Personal klebte, ein fast zerreisendes, Grinsen im Gesicht. Mein Bild bekam die ersten Risse.

Die Sonne gab ihr Bestes, doch die Kälte fraß sich langsam durch unsere Glieder. Als wir nun zur Ticketkontrolle kamen, schien die Atmosphäre, die eines Supermarktes zu gleichen. Die genervten „Kassierer“ versuchten die zerknüllten Karten zu scannen, Kinderwagen stauten sich wie jeder banale Stau im Alltagsverkehr. Ein stummes „Willkommen“ war zu ersehen durch die jetzt schon ermüdeten Augen der Parkarbeiter.

Der Eingangsbereich im Park war festlich dekoriert. Nun es war auch kurz vor Weihnachten, irgendwo in den USA wäre eine kleine typische Familie stolz. Mein Herz hüpfte beim Anblick des versteckten Kapitalismus, welcher sich an jedem sogenannten Ladenfenster des Parks ausbreitete. Unser erstes Ziel galt dem Märchenschloss, ein wahr gewordener Mädchentraum. Umringt von stolzen Eltern mit Selfiesticks in der Hand, darauf wartend, dass die jetzt schon unzufriedenen Kinder sich bereit halten um ein Facebookfoto zuschießen, standen wir einsam da. Liebende stellten sich auf um eine Kussszene zuknipsen, die nur für den banalen Moment galt.

Auf mein Bitten hin besuchten wir den Prinzessinnen Pavillion. Ich wollte nicht zurückschrecken, als eine angebliche Wartezeit von 90 Minuten so manche Eltern zur Weißglut trieb. Nach einiger Zeit, wurde uns bewusst, dass dieser Park nicht den Kindern mehr galt, sondern den Eltern, die ihn besuchten. Weinen, Schluchzen und Schreie kamen nicht nur von den Kindern. Erregt und dunkel war die Stimmung, die einen auf engsten Raum einsperrte und doch galt es am Ende der Schlange eine wahre Prinzessin kennen zulernen. Als wir nun endlich eine Prinzessin trafen, war der Schmerz und die Verzweiflung der letzten Stunden vergessen, sie empfing uns, trotz des Wissens, dass dieses Mädchen nun bald Schichtende hatte, sich die Schminke vom Gesicht entfernte, die Perücke abriss und das Kostüm ausziehen würde, wusste ich dies wird mein „magischer“ Moment. Wir verließen die Audienz mit einem überteuerten Foto und schauten uns nach Mittagessen um.

Unser „Glück“ schien so langsam zu versiegen in dem Moment, als wir uns mit unseren warmem Brötchen und einer typischen Kola in einen Raum setzten, welcher stark an die Kolonialzeit erinnerte.

Eine dunkelhäutige Frau räumte Tische ab und murmelte genervt vor sich hin. Draußen zog die erste der vielen Paraden des Tages, durch die Strassen. Man konnte die Menschenmassen kaum erfassen, alle in der Hoffnung, dass der alte Mann mit weißem Bart, ihnen zuwinken würde. Knapp war der Zug vorbei, stürmten sie die Essbuden. Wir nahmen unsere Jacken und gingen, halbgesättigt, unseres Weges. Der Park war riesig. Und dies waren auch die Warteschlangen. Und wieder war das Weinen der Kinder zuhören. Sollte dies hier nicht auch ihr schönster Tag werden?

Überfröhliche Weihnachtslieder versuchten alles unter sich zu ersticken.

Natürlich fand man auch in jedem Winkel des Parks Souvenirläden. Von Tassen bis gerahmte Bilder, Weihnachtsbaumkugeln und Kleidung, hier gab es alles. Eisköniginnen Kostüme lagen hoch im Kurs. Ein Vater trug schon 5 Taschen voller Artikel, doch seine kleine Prinzessin wie auch die Frau Gemahlin bekamen nicht genug, schließlich besucht man einen solchen Park nur sehr selten. Ein Monatsgehalt später weinte die Prinzessin doch.

Ich ergab mich selbst und kaufte mir eine Tasse. Ich beäugte die Rechung, die mit allen Klauseln erschreckend wirkte. Vielen Dank für Ihren Besuch. Eine riesige Tüte verschluckte meinen Kauf und signalisierte den Besuchern, ich war hier und hatte Spaß. Meine Begleitung kaufte sich auch etwas, lehnte aber diese Tüte ab, er könne es ja auch in meiner verstauen. Skandal! Diese Tüte ist doch nicht nur eine Tragetasche! Es gilt doch auch als Souvenir. Wir gingen aus dem Laden, mit einer Tüte.

Einige Tage sind nun vergangen. Ich versuche mir die schönen Momente vorzustellen. Ich sehe aber nur meine Tüte. Sie dient mir als Mülltüte.
 




ageschéckt den: 22:03 Tue, 13 February 2018 vum: Heep Sandy

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